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Stakeholder Engagement

Stakeholder Engagement bezeichnet die Interaktion eines Unternehmens mit seinen Anspruchsgruppen. Als Infrastrukturanbieter für Kapitalmärkte sieht die Gruppe Deutsche Börse die Kontinuität und den stetigen Ausbau des Dialogs mit ihren Anspruchsgruppen als wichtige Bestandteile ihrer volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktion.

Dialog als Grundlage vertrauensvoller Zusammenarbeit

Die Gruppe Deutsche Börse interagiert kontinuierlich mit einer Vielzahl verschiedener Anspruchsgruppen (Stakeholder). Die Stakeholder und ihre Interessen unterscheiden sich abhängig von ihrem Blickwinkel, also ob sie die Deutsche Börse als Organisator des Kapitalmarktes oder als selbst börsennotiertes Dienstleistungsunternehmen betrachten.

Ein offener Dialog fördert die vertrauensvolle Zusammenarbeit und liefert Impulse für Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse; die Gruppe Deutsche Börse sucht daher den Austausch mit ihren Stakeholdern v. a. im persönlichen Gespräch sowie in der Zusammenarbeit in Gremien und Arbeitskreisen.

Neues Format der Stakeholderbefragung – die Interessen interner und externer Stakeholder im Blick

Vor diesem Hintergrund und mit dem Ziel, den Austausch mit den verschiedenen Anspruchsgruppen weiter auszubauen und zu intensivieren, hat sich die Gruppe Deutsche Börse für ein neues, vierstufiges Befragungsformat entschieden, das sie im Geschäftsjahr 2014 erstmals umgesetzt hat:

  1. In einer künftig jährlich stattfindenden Befragung der unternehmensinternen Fachbereiche wurde zunächst die Bedeutung der oben aufgeführten Stakeholdergruppen für die Geschäftstätigkeit der Gruppe Deutsche Börse überprüft. Zudem haben die Fachbereiche Einschätzungen abgegeben, welche Handlungsfelder für ihre jeweiligen Anspruchsgruppen relevant sind.

  2. Daraufhin wurden drei sog. Fokusgruppen gebildet, die sich jeweils auf eine Anspruchsgruppe und deren Interessen konzentrieren: Die erste Gruppe setzt sich zusammen aus Mitarbeitern, die zweite aus verschiedenen Marktteilnehmern und die dritte Fokusgruppe besteht aus Vertretern der Politik und Aufsichts-/Regulierungsbehörden.

  3. Innerhalb der Fokusgruppen wurden zentrale Fragen zu Handlungsfeldern, Verantwortlichkeiten und möglichen Zielen der Gruppe Deutsche Börse diskutiert und aus Stakeholderperspektive priorisiert.

  4. Die Ergebnisse dieser Stakeholderdiskussionen wurden von einem externen Marktforschungsinstitut evaluiert und mit den unternehmensinternen Hypothesen abgeglichen. Auf diese Weise fließen sie unmittelbar in die Wesentlichkeitsbestimmung der Handlungsfelder der Gruppe Deutsche Börse ein.

Für das Pilotprojekt im Berichtsjahr entschied sich das Unternehmen für eine gezielte qualitative Befragung anstelle einer breit angelegten quantitativen Erhebung: In Schritt 2 wurden zu den Fokusgruppen Personen eingeladen, die aufgrund ihrer Tätigkeit mit dem Kapitalmarkt im Allgemeinen und Börsen im Speziellen vertraut sind. Eine Vorbereitung auf die Gespräche wurde nicht erwartet; vielmehr ging es um den spontanen Austausch der verschiedenen Perspektiven aus dem beruflichen Alltag der Teilnehmenden. Eine zentrale Erkenntnis aus den Diskussionsgruppen ist, dass das Wissen um die Bedeutung und Vielfalt der Aufgaben einer international tätigen Börsenorganisation in der Gesellschaft noch stärker präsent gemacht werden sollte. Insgesamt erlaubt das neue Befragungsformat das Formulieren konkreter, ausdifferenzierter Handlungsfelder. Die Sichtweisen der Stakeholder fließen auf diese Weise zudem unmittelbar in die Wesentlichkeitsbestimmung der Handlungsfelder der Gruppe Deutsche Börse ein.

Handlungsfelder der Gruppe Deutsche Börse

Das entscheidende Kriterium bei der Identifikation der relevanten Handlungsfelder für die Gruppe Deutsche Börse ist die Materialität, d. h. die Wesentlichkeit eines Themas – ergänzt um die grundsätzliche Möglichkeit zur Beeinflussung eines Handlungsfeldes durch die Gruppe Deutsche Börse.

Die Tabelle auf dieser Seite zeigt die wichtigsten Initiativen im operativen Geschäft und die Themen, die in den Fokusgruppen verstärkt adressiert wurden: Je höher die unternehmensstrategische Priorisierung eines Handlungsfeldes, desto größer seine Rolle für die Schwerpunktsetzung im operativen Geschäft der Gruppe Deutsche Börse und desto häufiger wurde es in den Gesprächen mit den unterschiedlichen Stakeholdern thematisiert. So messen beispielsweise sowohl interne als auch externe Stakeholder der Tatsache eine sehr hohe Bedeutung bei, dass die Gruppe regulatorische Projekte und Initiativen unterstützt, die den Finanzmarkt stabilisieren. Diese Wahrnehmung geht auch mit einer erhöhten Erwartungshaltung einher, was die Forcierung von Transparenz und Standardisierung auf den internationalen Kapitalmärkten betrifft; der Wunsch nach dem Ausbau eines lösungsorientierten Wissens- und Erfahrungsaustauschs zentraler Kapitalmarktakteure entspricht der Rolle der Deutschen Börse als neutrale Dialogplattform.

Ergänzend zur Stakeholderbefragung in den Fokusgruppen nutzt die Gruppe Deutsche Börse folgende Quellen zur Bestimmung ihrer relevanten Handlungsfelder und deren Gewichtung:

  • Informationen aus den Gremien und Arbeitskreisen der Gruppe Deutsche Börse, die mit internationalen Vertretern des Kapitalmarktes besetzt sind (Eine Übersicht über die Gremien und Arbeitskreise gibt es unter www.deutsche-boerse.com/cr.)
  • Auswertungen von Kundenzufriedenheitsbefragungen, Kundenbesuchen und Eingaben in das Innovationsportal der Gruppe Deutsche Börse
  • Unternehmensinterne Analysen und Bewertungen zu Trends und Entwicklungen in der Finanzdienstleistungsbranche (z. B. die Veränderung regulatorischer Rahmenbedingungen)
  • Erkenntnisse aus Investorenkonferenzen, Roadshows und Besuchsterminen sowie in der Hauptversammlung adressierte Themen
  • Austausch mit internationalen Finanz-/Wirtschaftsjournalisten anlässlich der „Global Media Outreach“-Veranstaltung
  • Rückmeldungen aus Betriebsversammlungen, Mitarbeiterveranstaltungen, Review-Gesprächen und der Mitarbeiterumfrage von 2013
  • Schwerpunktsetzungen in den Sitzungen des Vorstands und des Aufsichtsrats bzw. der einzelnen Aufsichtsratsausschüsse

Handlungsfelder der Gruppe Deutsche Börse nach Priorität1)

  2014 2013
Unterstützung von Regulierungsvorhaben für ein stabiles Finanzsystem 4 4
Integrität und Compliance 4 4
Kundenzufriedenheit 4 3
Transparenz/Standardisierung an den Kapitalmärkten 4 4
Kosteneffizienz 4 4
Profitables Wachstum 4 4
Stabilität und Verfügbarkeit der Handelssysteme 4 4
Innovationspotenzial 4 3
Wettbewerbsfähigkeit2) 3
Strategieimplementierung2) 3
Risikomanagementlösungen für Marktteilnehmer 3 3
Vergütung 3 4
Know-how-Transfer zu Kapitalmarktthemen 3 4
Wertschöpfung 3 2
EBIT 3 3
Mitarbeiterzufriedenheit 3 3
Personalentwicklung und -förderung 2 3
Stakeholder Engagement 2 3
Politische Dynamik2) 2
Risikobereinigte Rendite2) 2
Technologieführerschaft 2 2
Beschäftigungssicherheit 2 2
Neutralität2) 2
Vielfalt und Chancengleichheit 1 2
Gesellschaftliches Engagement 1 2
Nachhaltiges Produktportfolio 1 1
Lieferantenmanagement 1 1
Menschenrechte 1 1
Emissionshandel 1 3
Umweltmanagement 1 1
Green-IT 1 1

Handlungsfelder der Gruppe Deutsche Börse nach Priorität1)

  2014 2013
Unterstützung von Regulierungsvorhaben für ein stabiles Finanzsystem 4 4
Integrität und Compliance 4 4
Kundenzufriedenheit 4 3
Transparenz/Standardisierung an den Kapitalmärkten 4 4
Kosteneffizienz 4 4
Profitables Wachstum 4 4
Stabilität und Verfügbarkeit der Handelssysteme 4 4
Innovationspotenzial 4 3
Wettbewerbsfähigkeit2) 3
Strategieimplementierung2) 3
Risikomanagementlösungen für Marktteilnehmer 3 3
Vergütung 3 4
Know-how-Transfer zu Kapitalmarktthemen 3 4
Wertschöpfung 3 2
EBIT 3 3
Mitarbeiterzufriedenheit 3 3
Personalentwicklung und -förderung 2 3
Stakeholder Engagement 2 3
Politische Dynamik2) 2
Risikobereinigte Rendite2) 2
Technologieführerschaft 2 2
Beschäftigungssicherheit 2 2
Neutralität2) 2
Vielfalt und Chancengleichheit 1 2
Gesellschaftliches Engagement 1 2
Nachhaltiges Produktportfolio 1 1
Lieferantenmanagement 1 1
Menschenrechte 1 1
Emissionshandel 1 3
Umweltmanagement 1 1
Green-IT 1 1
Vom Handlungsfeld zur unternehmerischen Implementierung

Wir übernehmen Verantwortung für die von uns organisierten Märkte, unsere Mitarbeiter und die Gesellschaft. Deshalb spiegeln sich die auf Basis der oben beschriebenen Wesentlichkeitsanalyse identifizierten Handlungsfelder in unserem Nachhaltigkeitsengagement wider.

  • Als Kapitalmarktorganisator treiben wir Transparenzinitiativen wie die Berichterstattung über Nachhaltigkeitsinformationen im Kapitalmarkt voran.
  • Als börsennotierter Dienstleister setzen wir uns für verantwortungsvolle Geschäftspraktiken ein; einen Schwerpunkt bilden dabei die Interessen und Bedürfnisse unserer Mitarbeiter. Daneben arbeiten wir an der stetigen Verbesserung unseres Nachhaltigkeitsprofils, z. B. in den Bereichen Green-IT, Ressourcenschonung und nachhaltige Beschaffung. Außerdem entwickeln wir unsere eigene Berichterstattung weiter und streben die vollständige Integration unserer Nachhaltigkeitsleistung in die Kapitalmarktkommunikation an.
  • Als Teil der Gesellschaft ist es uns wichtig, als „guter Unternehmensbürger“ an unseren internationalen Standorten wahrgenommen zu werden und uns analog zu den dortigen Bedürfnisstrukturen zu engagieren.

Als neutraler Markplatzorganisator wirbt die Gruppe Deutsche Börse mit Transparenzinitiativen wie der Veröffentlichung des ESG Best Practice-Leitfadens für die standardisierte Integration von Nachhaltigkeitsinformationen in die klassische Kapitalmarktkommunikation. Außerdem suchen wir den offenen Austausch und Wissenstransfer mit anderen Börsenorganisationen zu diesem und anderen Zukunftsthemen des internationalen Kapitalmarktsystems und sind im Jahr 2014 der Sustainable Stock Exchange Initiative der Vereinten Nationen beigetreten.

Parallel zu diesen Initiativen sind wir als börsennotiertes Unternehmen bestrebt, unsere eigene Berichterstattung auszubauen und zu verbessern. Wir orientieren uns dabei an nationalen und internationalen Standards und intensivieren den Dialog mit unseren in- und externen Anspruchsgruppen.

Um die Wahrnehmung des Unternehmens in der Gesellschaft zu schärfen, hat die Gruppe Deutsche Börse u. a. ein umfangreiches Programm an Abendseminaren entwickelt, die v. a. Privatanlegern leicht verständlich Wissen zum Kapitalmarkt vermitteln. Zum Angebot gehören Themen wie Produktwissen, Wertpapieranalyse, Anlagestrategien, Kapitalverteilung und Börsenpsychologie. Mit dieser Initiative unterstützt die Gruppe auch das Anliegen der Politik, die Finanzkompetenz in der Bevölkerung zu stärken.

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Unsere Verantwortung