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Energiepolitisches Umfeld

Europäische Energie- und Klimapolitik

Energieunion

Eines der Ziele der neuen EU-Kommission unter Präsident Juncker ist das Maßnahmenpaket zur so genannten „Energieunion“. Ein wesentliches Anliegen im Rahmen der Schaffung dieser Energieunion ist die Abstimmung nationaler energiepolitischer Maßnahmen. Damit soll ein vollständig integrierter Binnenmarkt bei gleichzeitiger Gewährleistung von Versorgungssicherheit und Erreichung der Klimaziele ermöglicht werden.

Europäische Klimapolitik

Die europäische Klimapolitik verfolgt das Ziel, den Treibhausgasausstoß in der EU bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Stand des Jahres 1990 um zumindest 40 % zu reduzieren. Dieses Ziel soll durch eine Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energie am Gesamtenergiemix auf 27 % im Jahr 2030 erreicht werden. Weiters ist eine Steigerung der Energieeffizienz gegenüber 2007 um 20 % bis zum Jahr 2020 und um 27 % bis zum Jahr 2030 beabsichtigt.

Emissionshandel

Nach dem Beschluss über die Verschiebung der Versteigerung von 900 Mio. CO2-Emissionszertifikaten in die Jahre 2019 und 2020 („Backloading“) legte das Europäische Parlament eine Verknappung der Zertifikate ab dem Jahr 2019 fest. Konkret sollen 1,5 Mio. Zertifikate in eine Marktstabilisierungsreserve übergeführt werden, die künftig dazu dienen soll, dem Markt je nach konjunktureller Lage Emissionszertifikate zu entziehen oder zuzuführen. Im Juli 2015 legte die Europäische Kommission nunmehr einen legislativen Vorschlag zur weiteren Reform des europäischen Emissionshandels (EU ETS) für die vierte Handelsperiode – das betrifft den Zeitraum 2021 bis 2030 – vor. Vorgeschlagen wurde eine Anhebung des linearen Reduktionsfaktors, um den die Obergrenze für die zulässigen jährlichen CO2-Emissionen ab dem Jahr 2021 gesenkt werden soll, von 1,74 % auf 2,2 %.

Zuteilung von CO2-Emissionszertifikaten

Im Bereich der Stromproduktion bezieht die EVN 100 % der benötigten Emissionszertifikate über den Markt. In der Wärmeproduktion begann im Jahr 2013 die Gratiszuteilung von Zertifikaten im Ausmaß von 80 % des im Vorfeld ermittelten CO2-Ausstoßes je Produktionsanlage. Bis zum Jahr 2020 ist eine lineare Reduktion der Gratiszuteilung auf 30 % der Anlagenemissionen vorgesehen. Darüber hinaus wird der Umfang der Zertifikatszuteilung auch im Fall einer erheblichen Reduktion der Wärmeproduktion gekürzt.

Sommerpaket

Im Rahmen des im Juli 2015 veröffentlichten so genannten „Sommerpakets“ wurde neben dem Vorschlag zum Emissionshandel auch ein Legislativvorschlag zur Erneuerung der Energieeffizienzkennzeichnungsverordnung vorgelegt. Das Paket umfasst auch mehrere nichtlegislative Vorschläge und Konsultationen zu den Themen „Umgestaltung des europäischen Strommarkts“, „Versorgungssicherheit“ und „Endkundenmarkt“. So wird etwa eine stärkere Involvierung der Endkunden angestrebt, damit diese von einem aktiven Verhalten im Markt und von neuen Technologien profitieren können.

Österreichische Energie- und Klimapolitik

Energieeffizienzgesetz

Ziel des Energieeffizienzgesetzes ist es, gemäß den Vorgaben der EU die Energieeffizienz (im Vergleich zum Jahr 2007) bis zum Jahr 2020 um 20 % zu verbessern.

In Österreich sind Energielieferanten seit dem 1. Jänner 2015 verpflichtet, die Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen bei Endkunden im Umfang von 0,6 % ihrer Energieabsätze des Vorjahres nachzuweisen. Falls dieses Ziel verfehlt wird, hat der Energielieferant einen schuldbefreienden Ausgleichsbetrag von 0,20 Euro/kWh zu entrichten, der in einen fonds zur Finanzierung von Energiesparprojekten und Projekten zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energieträger fließt.

Im April 2015 wurde die Österreichische Energieagentur mit der Aufgabe der Nationalen Energieeffizienz-Monitoring-Stelle betraut. In dieser Funktion hat die Österreichische Energieagentur die Bewertung von Effizienzmaßnahmen und deren Überwachung vorzunehmen. Eine erste Zielbewertung durch die Monitoring-Stelle erfolgt im Februar 2016.

Die EVN hat mit ihrem Angebot an Energiedienstleistungen schon wesentliche Schritte zur Erfüllung der Energieeffizienzvorgaben gesetzt.

Energiestrategie 2030

Die österreichische Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, eine Energiestrategie bis zum Jahr 2030 zu definieren. Das angestrebte Energiesystem soll effizient, leistbar und sozial verträglich sein. Als Ziele wurden die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit, des Wohlstands und der Wettbewerbsfähigkeit sowie eine intakte Umwelt definiert. Die EVN unterstützt die genannten Ziele und trägt mit ihrem auf den Heimmarkt Niederösterreich fokussierten Investitionsprogramm zu deren Umsetzung bei.

Regulierungsmodell für den Strom- und Gasnetzbetrieb in ÖsterreichStrom (aktuell)Erdgas (aktuell)
RegulierungsbehördeEnergie-Control AustriaEnergie-Control Austria
Beginn der aktuellen Regulierungsperiode01.01.201401.01.2013
Dauer der Regulierungsperiode5 Jahre5 Jahre
Beginn der nächsten Regulierungsperiode01.01.201901.01.2018
RegulierungsmethodeErlösobergrenzeErlösobergrenze
Gewichteter Kapitalkostensatz (WACC) vor Steuern, nominal1)6,42 %6,42 %
Genereller Produktivitätsfaktor1,25 %1,95 %
Individueller Produktivitätsfaktor0,36 %0,00 %
Inflation2)Jährliche AnpassungJährliche Anpassung

Stromkennzeichnungspflicht

Die mit 6. August 2013 veröffentlichte Novelle des ElWOG (Elektrizitätswirtschafts-und-organisationsgesetz) sieht in § 79a eine verpflichtende Stromkennzeichnung der an Endverbraucher gelieferten Energie vor. Auch die Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken sind gemäß Stromkennzeichnungsverordnungs-Novelle 2013 verpflichtet, ab 1. April 2014 den Pumpstromeinsatz mit Nachweisen für die Stromherkunft zu belegen.

Die gesetzlich verpflichtende Stromkennzeichnung auf den Rechnungen der EVN Energievertrieb GmbH & Co KG wurde durch die KPMG Austria GmbH Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, Wien, geprüft. Die Umweltauswirkungen des Versorgungsmix der EVN Energievertrieb GmbH & Co KG im Jahr 2014/15 beliefen sich auf 116,46 g/kWh CO2-Emissionen (Vorjahr: 233,05 g/kWh) und 0 mg/kWh (Vorjahr: 0 mg/kWh) radioaktiven Abfall.

  • GRI-Indikator: Gesetzlich vorgeschriebene Informationen über Produkte und Dienstleistungen (G4-PR3)

Regulatorisches Umfeld

Österreich

In Österreich begannen für Erdgas am 1. Jänner 2013 und für Strom am 1. Jänner 2014 neue Regulierungsperioden. Beide Perioden laufen über fünf Jahre. Wesentlicher Faktor im angewendeten Regulierungsmodell ist neben dem gewichteten Kapitalkostensatz der individuelle Produktivitätsfaktor. Dies ist die für das Unternehmen individuell geltende Kostensenkungsvorgabe. Die Netzgesellschaft der EVN wird vom Regulator im Branchenvergleich hinsichtlich der Produktivität in der oberen Bandbreite bewertet.

Bulgarien

In Bulgarien werden die Haushalts- und Gewerbekunden zu regulierten Preisen beliefert, während die Geschäftskunden sukzessive in den liberalisierten Markt übergeführt werden. In diesem Kundensegment tritt die EVN mit ihrer Handelstochter EVN Trading South East Europe EAD auf. Die EVN Bulgaria Electrosnabdjavane EAD, die auch die Haushalts- und Gewerbekunden beliefert, ist „Supplier of last Resort“ und versorgt jene Kunden im liberalisierten Marktsegment, die keinen anderen Anbieter auswählen oder vom gewählten Anbieter unverschuldet keinen Strom beziehen können.

Mit Wirkung vom 1. August 2015 senkte der bulgarische Energieregulator die Tarife für Endkunden um durchschnittlich 0,4 %. Die Rückführung der Verbindlichkeit, die zur Aufrollung von Erlösen aus vergangenen Perioden gebildet wurde, wurde für die laufende Regulierungsperiode ausgesetzt. Mit diesem Schritt gibt der Regulator den Verteilgesellschaften die Möglichkeit, ihre Aktivitäten auszubauen und die Servicequalität zu erhöhen.

Bereits im Geschäftsjahr 2013/14 war die EVN mit einem Verwaltungsverfahren konfrontiert gewesen, das von der lokalen Regulierungsbehörde eingeleitet wurde und auf einen Lizenzentzug für die bulgarische Stromvertriebstochter EVN Bulgaria Electrosnabdjavane EAD abzielte. Das Verfahren wurde bislang noch immer nicht eingestellt. Die EVN wird ihre Ansprüche in dem aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Verfahren mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wahren.

Ein im Juni 2013 eingeleitetes Investitionsschutzverfahren bei dem von der Weltbank eingerichteten „International Centre for the Settlement of Investment Disputes“ (ICSID) wird weiterhin aktiv verfolgt.

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Regulierungsmodell für Netznutzungstarife
in Bulgarien und Mazedonien
Bulgarien
Strom
Bulgarien
Wärme
Mazedonien
Strom
RegulierungsbehördeEnergy and Water
Regulatory Commission
(EWRC)
State Energy and Water
Regulatory Commission
(SEWRC)
Energy Regulatory
Commission
(ERC)
Anfang der Regulierungsperiode01.08.201501.07.201501.01.2015
Nächste regulatorische Anpassung01.08.201801.07.201601.01.2018
Dauer der Regulierungsperiode3 Jahre1 Jahr3 Jahre
Regulierungsmethode1)ErlösobergrenzeKapitalverzinsungErlösobergrenze
Gewichteter Kapitalkostensatz (WACC)
vor Steuern, nominal
7,0 %5,1 %6,6 %
Anerkannte Netzverluste8,0 %30,0 %14,0 %
ProduktivitätsfaktorJaJaNein
Investitionsfaktor2)JaNeinNein

Mazedonien

Seit 1. Jänner 2014 ist die Entflechtung („Unbundling“) der einzelnen Geschäftsfelder im Energiegeschäft in Mazedonien umgesetzt. Die EVN hat zur Erfüllung der damit verbundenen Anforderungen eine Vertriebsgesellschaft (EVN Macedonia Elektrosnabduvanje DOOEL) und eine Produktionsgesellschaft (EVN Macedonia Elektrani DOOEL) gegründet. Die beiden Gesellschaften bestehen zusätzlich zur bereits bestehenden EVN Macedonia AD, die weiterhin als Netzgesellschaft fungiert.

Die Liberalisierung des Strommarkts wird in Mazedonien schrittweise – und zwar abhängig vom Jahresstromverbrauch der Abnehmer – bis Juli 2020 umgesetzt. Am 1. Juli 2015 wurden die Tarife für die nachfolgenden zwölf Monate festgelegt. Der Endkundenpreis wurde dabei um 0,3 % gesenkt, zudem wurden die Kosten der geplanten Liberalisierungsschritte nicht berücksichtigt.

Kroatien

Während der kroatische Gasmarkt für Business-Kunden bereits seit 2012 liberalisiert ist, wurde die Liberalisierung für Haushaltskunden bis 31. März 2017 aufgeschoben. Die Lieferung an Haushaltskunden erfolgt somit weiterhin zu regulierten Tarifen. Für die Periode vom 1. April 2015 bis zum 31. Dezember 2015 wurden die Haushaltstarife um durchschnittlich 7,7 % verringert.

Seitens des Regulators wurden neue Netzregeln für Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber sowie neue Gasmarktregeln erlassen. Diese dienen der Verbesserung der Regulierung sowie der Implementierung von Bilanzenergieregeln im gesamten Gasmarkt. Letztere ist Teil der Harmonisierung der kroatischen Regulierungsbestimmungen mit jenen der umgebenden Gasmärkte sowie den EU-Richtlinien. EVN Croatia konnte die Ausgleichsenergierisiken im Gaspreis berücksichtigen und an den Bilanzgruppenverantwortlichen weitergeben. Dadurch wird für die Verteilgesellschaft das Ausgleichsenergierisiko vermieden.

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