DE   /   EN

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015/16

Die europäischen Energiemärkte bergen weiterhin eine Fülle an Herausforderungen. So hat vor allem der massive Ausbau der Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen weitreichende Konsequenzen für die Stromproduktion und für den Netzbetrieb.

Als wesentliche Folge ist in der Stromproduktion der Einsatz von thermischen Kraftwerken derzeit nicht wirtschaftlich bzw. nicht in der Lage, die Vollkosten abzudecken. Denn die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen führt zu einem Angebotsüberhang, der wiederum zu nachhaltigem Druck auf die Großhandelspreise führt. Diese befinden sich schon seit Längerem auf einem Niveau, auf dem sich die thermischen Kraftwerke kaum im Markt halten können.

Umgekehrt fragen die Übertragungsnetzbetreiber zum Ausgleich der volatilen Erzeugung aus erneuerbarer Energie verstärkt thermische Kapazitäten nach, um die Stabilität der Netze aufrechtzuerhalten. Das Geschäftsmodell der thermischen Kraftwerke verlagert sich dadurch vom bisher üblichen Dauerbetrieb hin zu einem zeitlich eingeschränkten Einsatz. Die EVN hat diesen Trend frühzeitig erkannt und stellt ihre thermischen Kraftwerke bereits seit Jahren als Reservekapazität zur Lieferung von Ausgleichsenergie und für das Engpassmanagement zur Verfügung. Auch in den kommenden Jahren wird die EVN entsprechende Reservekapazitäten bereithalten. Derzeit erfolgt dies auf Basis bilateraler Verträge, da sich die Kapazitätsbereitstellung noch nicht als neues Marktmodell durchgesetzt hat.

Die EVN sieht die Aufrechterhaltung der Netzstabilität und damit die Sicherung der Versorgungssicherheit für ihre Kunden als ihre wichtigste Aufgabe. Aus diesem Grund investiert sie konsequent in den Ausbau und die Aufrüstung ihrer Netzinfrastruktur in Niederösterreich.

Im Energievertrieb in Niederösterreich senkte die EVN Vertriebsgesellschaft im Rahmen der EnergieAllianz die Energiepreise für Strom und Erdgas für Privatkunden per 1. Oktober 2015 um durchschnittlich 5 %.

In Südosteuropa schreitet die Liberalisierung der Energiemärkte weiter voran. Die EVN sieht sich hier in einem durch Wettbewerb geprägten Umfeld gut aufgestellt und ist bestrebt, ihre Chancen in einem liberalisierten Markt zu nutzen. Jene Kunden, die ihren Lieferanten bereits frei wählen können, werden durch eigene Vertriebsgesellschaften serviciert. Im Bereich des Netzbetriebs verfolgt die EVN das Ziel, durch fokussierte Investitionen die Netzverluste weiter zu reduzieren und damit die Effizienz ihres Geschäfts zu steigern. Das bei dem von der Weltbank eingerichteten International Centre for the Settlement of Investment Disputes (ICSID) eingeleitete Investitionsschutzverfahren wird weiter verfolgt und soll bewirken, dass Nachteile aus früheren Tarifentscheidungen in Bulgarien kompensiert werden.

Was das Umweltgeschäft betrifft, wird die EVN in den kommenden Monaten wieder verstärktes Augenmerk auf die Akquisition von Neuprojekten legen. Dabei könnten nach Absicherung von etwaigen politischen Risiken auch neue Märkte erschlossen werden.

In der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich liegt der Fokus in verstärktem Maß auf der Versorgungssicherheit und der Wasserqualität. So stellt die EVN durch die Erschließung von neuen und die Verbindung von bestehenden Brunnenfeldern besonders die Versorgungssicherheit von niederschlagsärmeren Regionen sicher. Der Bau von Naturfilteranlagen, die vor allem zur Reduktion der Wasserhärte eingesetzt werden, soll gleichzeitig der zunehmenden Nachfrage der Kunden nach weichem Wasser entgegenkommen.

Die EVN möchte ihre Investitionsstrategie der vergangenen Jahre auch weiterhin fortsetzen. Das 2013 gesetzte Ziel lautete, innerhalb von vier Jahren 1 Mrd. Euro in die Bereiche Netze, erneuerbare Energie und Trinkwasserversorgung zu investieren. Ebenso soll der in den vergangenen Jahren eingeschlagene Weg der Konsolidierung weiter verfolgt werden. Der Fokus liegt hier auf den bestehenden Geschäftsbereichen und dort wiederum auf der laufenden Steigerung der Effizienz.

Das integrierte Geschäftsmodell der EVN hat sich im aktuell herausfordernden Umfeld bewährt. So trägt schon die breite Aufstellung entlang der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette zu einer stabilen operativen Entwicklung bei. Mit dem Umweltgeschäft wird die Geschäftstätigkeit noch weiter diversifiziert und somit die Ergebnisstabilität gefördert.

Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme von durchschnittlichen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird das Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2015/16 weitgehend stabil erwartet. Die regulatorischen Rahmenbedingungen, die Entwicklungen in den eingeleiteten Verfahren im Zusammenhang mit den Forderungen aus den Tarifentscheidungen in Bulgarien und im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Duisburg-Walsum sowie der Fortgang der Aktivitäten in Moskau könnten das Konzernergebnis jedoch wesentlich beeinflussen.

Maria Enzersdorf, am 18. November 2015

Unterschrift Layr Unterschrift Szyszkowitz

Dipl.-Ing. Dr. Peter Layr
Sprecher des Vorstands

Mag. Stefan Szyszkowitz, MBA
Mitglied des Vorstands

Quickfinder 

Zuletzt besuchte Seiten