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„Intelligente Netze und Energie-Management sind die Zukunft ...“ (Interview mit den Mitgliedern des Vorstands)

Peter Layr und Stefan Szyszkowitz, die beiden Mitglieder des Vorstands der EVN AG, im Interview zu den Energiemärkten im Allgemeinen und zur Entwicklung des EVN Konzerns im Geschäftsjahr 2014/15 im Besonderen.

Herr Layr, die EVN ist in unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätig. Wie lässt sich Ihr Unternehmen am treffendsten beschreiben?

Layr: Wir verwenden gern den Begriff des „umfassenden Versorgers“. Wir beliefern unsere Kunden mit unterschiedlichen Produkten des täglichen Bedarfs: Energie in Form von Strom, Gas und Wärme, sauberes Trinkwasser sowie Dienstleistungen im Bereich der Telekommunikation. Darüber hinaus sorgen wir dafür, dass Abwasser in gereinigter Form wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt und Abfall thermisch verwertet wird. Abgerundet wird dieses Angebotsspektrum durch Beratungsdienstleistungen im Bereich der Energieversorgung. Damit bieten wir unseren Kunden eine umfassende Palette, aus der sie einzelne Produkte oder Kombinationen wählen können. Das Credo der EVN ist, dass wir bei allen unseren Produkten und Dienstleistungen die Qualität und die Versorgungssicherheit an die oberste Stelle setzen.


Wäre es nicht einfacher, sich auf einzelne Produkte bzw. einzelne Bereiche zu konzentrieren?

Layr: Wir richten uns nach den Bedürfnissen unserer Kunden aus, deshalb sind wir von diesem breiten Angebot in der öffentlichen Versorgung überzeugt. Denn für die Kunden hat unser Geschäftsmodell den Vorteil, dass sie alle Leistungen – die ja in einem engen Zusammenhang stehen – aus einer Hand beziehen können. Mit unseren Kundenzentren sowie unserem Störungsdienst stehen den Kunden rund um die Uhr kompetente Mitarbeiter als persönliche Ansprechpartner zu all diesen Themen zur Verfügung.

Szyszkowitz: Wir sind als integriertes Unternehmen im Energiegeschäft auf sämtlichen Stufen der Wertschöpfungskette tätig. Wir erzeugen Strom in unseren eigenen erneuerbaren und thermischen Kraftwerken und Anlagen, wir transportieren Energie über unsere Netzinfrastruktur, und wir liefern die Energie im Rahmen der EnergieAllianz Austria zu unseren Kunden nach Hause. Die eigenen Erzeugungsanlagen stellen dabei eine natürliche Absicherung dar. Wir können unseren Kunden dadurch ausreichend Energie zur Verfügung stellen, auch wenn diese auf dem Markt nicht oder nur sehr teuer erhältlich sein sollte. Und mit unseren Strom-, Gas- und Wärmenetzen stellen wir sicher, dass die Energie auch beim Kunden ankommt.


Seinen Kunden mit einer breiten Angebotspalette Sicherheit und Komfort bieten zu können, bringt ohne Zweifel Vorteile für ein erfolgreiches Bestehen im Markt. Inwieweit profitiert das Unternehmen selbst von diesem Ansatz?

Layr: Für das Unternehmen sehen wir zwei wesentliche Vorteile: Zum einen wird durch ein umfassendes Angebot die Kundenbindung erhöht. Wenn wir die Kunden in einem Bereich mit unserer Servicequalität überzeugen, dann trauen sie uns diese Kompetenz auch in anderen Bereichen zu. Die Zufriedenheit unserer Kunden spiegelt sich in einer hohen Loyalität zum Unternehmen wider, und dadurch verfügen wir über eine breite und stabile Kundenstruktur. Der zweite positive Effekt ist eine kerngeschäftsnahe Diversifikation und damit eine Stabilisierung der Ergebnisse im Konzern. Insbesondere können wir damit die in den verschiedenen Zyklen der Energiewirtschaft variierenden Ergebnisbeiträge der einzelnen Wertschöpfungsstufen ausgleichen.


Welche Rolle spielt dabei das Umweltgeschäft?

Szyszkowitz: Das Umweltgeschäft mit seiner Unabhängigkeit von energiewirtschaftlichen Entwicklungen sorgt für einen zusätzlichen Stabilisierungseffekt im Konzern. Zudem stärkt es unsere Positionierung als verantwortungsbewusstes Unternehmen, das mit seiner Geschäftstätigkeit einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leistet.


Diversifikation ist ein zentrales Strategieelement der EVN. Welche Bedeutung hat dies für die unterschiedlichen Stakeholder-Gruppen?

Szyszkowitz: Die Aktionäre können mit einer stabilen Geschäftsentwicklung rechnen. Die Kunden verfügen über einen verlässlichen Partner, der das Versprechen einer sicheren und nachhaltig ausgerichteten Versorgung einhalten kann. Und die Mitarbeiter profitieren von einem verlässlichen Arbeitgeber.


Kommen wir nun zur Entwicklung im Geschäftsjahr 2014/15. Wie ist das Jahr gelaufen?

Layr: In Anbetracht des schwierigen Umfelds auf dem Energiemarkt sind wir mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden. Wir haben ein deutlich positives Ergebnis erreicht. Die Struktur unserer Bilanz kann als solide bezeichnet werden, und unsere Ratings sind im guten Investment-Grade-Bereich angesiedelt.

Szyszkowitz: Der operative Cash Flow war stark und konnte unsere Investitionen und auch die Dividendenzahlung abdecken. Gleichzeitig ist es gelungen, die Nettoverschuldung deutlich zu senken. Dank dieser Entwicklungen sind wir auf dem Kapitalmarkt gern gesehen und können jederzeit Finanzmittel durch die Emission von Anleihen oder die Aufnahme von Krediten beziehen.


Sie haben die Investitionen erwähnt. Wie sieht die Investitionsstrategie der EVN generell aus?

Layr: Wir investieren innerhalb eines vierjährigen Zeitraums 1 Milliarde Euro in Netzinfrastruktur, erneuerbare Energie und Wasserversorgung in Niederösterreich. In den vergangenen zwei Jahren haben wir schon viel umgesetzt; gleichzeitig haben wir aber noch viel vor uns.


Warum gerade diese Bereiche?

Layr: Das hängt mit unserem Anspruch zusammen, die Versorgungssicherheit für unsere Kunden hoch zu halten. Gut ausgebaute Netze sind die Voraussetzung dafür, dass die immer stärker zunehmende, gleichzeitig aber auch sehr volatile Erzeugung aus erneuerbaren Quellen verlässlich zu den Verbrauchern transportiert werden kann. Den Ausbau der erneuerbaren Erzeugung forcieren wir, um unseren konzernweiten Eigendeckungsgrad (Anteil des selbst produzierten Stroms am gesamten Verkaufsvolumen, Anm.) sowie den Anteil biogener Energieproduktion zu erhöhen. In der Wasserversorgung verhält es sich ähnlich, auch hier genießen die Themen Qualität und Versorgungssicherheit höchste Priorität. Mit unseren Investitionen stellen wir weiterhin sicher, dass bei einer gesteigerten Nachfrage selbst in den verbrauchsstarken Sommermonaten ausreichend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht.

„Wir investieren 1 Milliarde Euro in Netzinfrastruktur, erneuerbare Energie und Wasserversorgung in Niederösterreich.“ Peter Layr


Wie stellen Sie sicher, dass sich die Investitionen auch rechnen?

Szyszkowitz: Als börsenotiertes Unternehmen sind wir unseren Aktionären gegenüber verpflichtet, die Wirtschaftlichkeit der Investitionen zu beachten. Abgesehen davon ist dies eine Grundvoraussetzung für nachhaltig erfolgreiches Wirtschaften. Im Netzgeschäft hält uns das in Österreich geltende Anreizmodell dazu an, unsere Kosten zu optimieren und die Produktivität zu steigern. So profitiert jeder von effizienten Strukturen. Mit der höheren Eigenerzeugung, die wir auch durch den Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energie erreichen wollen, sichern wir uns zudem noch besser gegen Marktschwankungen an den Strombörsen ab. Die erneuerbare Energie forcieren wir aber ganz bewusst nur in Österreich – und hier natürlich in unserem Heimmarkt Niederösterreich –, da wir hier auf die Stabilität der Rahmenbedingungen vertrauen können. In der Wasserversorgung wiederum können wir durch die Bindung des Wasserpreises an den Verbraucherpreisindex unseren Kunden ein faires Preis- Leistungs-Verhältnis bieten. Auch in diesem Geschäftsfeld ist der Erfolg von der Kosteneffizienz abhängig.


Herr Layr, Sie haben vor einigen Monaten gesagt, dass Sie nicht mehr in die Erzeugung aus fossilen Energieträgern investieren wollen. Wie sieht die Perspektive der thermischen Kraftwerke aus?

Layr: Es ist richtig, dass der Zug eindeutig in Richtung erneuerbare Energie fährt. Die thermische Erzeugung und im Speziellen die Gaskraftwerke spielen als Reservekapazitäten aber weiterhin eine wichtige Rolle im Energiesystem. Diese Reservekapazitäten sind zur Netzstabilisierung unbedingt erforderlich. Denn sie stellen in Zeiten geringen Wind- bzw. Sonnenaufkommens die benötigte Energie zur Verfügung; und bei einem hohen Angebot an Sonnen- und Windstrom erhalten sie durch ihre Flexibilität die Stabilität der Netze.


Welche Ziele haben Sie sich beim Ausbau der erneuerbaren Energie gesetzt?

Szyszkowitz: Unser Ziel ist es, mittelfristig den Anteil des selbst produzierten Stroms aus erneuerbarer Energie zu steigern. Beim weiteren Ausbau konzentrieren wir uns auf die Windenergie in Niederösterreich. Hier verfügen wir bereits über 250 MW installierte Kapazität; in den nächsten drei Jahren werden wir ein Niveau von 300 MW erreichen. Zusätzlich haben wir weitere Projekte in der Pipeline, für die wir teilweise schon Bewilligungen haben oder uns im Prozess der Bewilligung befinden. Die Umsetzung dieser Projekte wird auch von der Weiterentwicklung der großtechnischen Energspeichertechnologien abhängen.


Stichwort Speichertechnologien: Welche Maßnahmen setzt die EVN zur Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur „Aufbewahrung“ von Strom?

Layr: Hier sind wir auf verschiedenen Ebenen aktiv. Wichtigstes Projekt ist derzeit die Errichtung eines Großspeichers mit einer Leistung von 2,5 MW. Dies entspricht etwa der Leistung von 100 E-Autos der Mittelklasse. Gemeinsam mit der TU Wien werden wir dann über einen Zeitraum von zwei Jahren die Möglichkeiten der Netzstabilisierung mithilfe dieses Großspeichers wissenschaftlich untersuchen. Der Zeithorizont des Pilotprojekts ist aber wesentlich größer: Die Batterie hat eine Lebensdauer von 15 Jahren.


Werden solche Batteriespeicher andere Reservekapazitäten ersetzen können?

Szyszkowitz: Die Lösung des Speicherproblems ist die zentrale Zukunftsfrage für das Gelingen der Energiewende. Wir denken, dass Batterien aufgrund der noch hohen Kosten das Problem der Speicherung großer Strommengen derzeit nicht lösen werden, aber sie können sehr wohl ihren Beitrag zur Netzstabilisierung leisten.


„Unser Ziel ist es, mittelfristig den Anteil des selbst produzierten Stroms aus erneuerbarer Energie zu steigern.“ Stefan Szyszkowitz

Wie kann ein darüber hinausgehender Energiebedarf gedeckt werden?

Szyszkowitz: Flexibel einsetzbare thermische Erzeugungsanlagen werden auch weiterhin notwendig sein. Im Unterschied zur Vergangenheit werden diese aber nicht kontinuierlich in das Netz einspeisen, sondern nur temporär den Spitzenbedarf abdecken. Gaskraftwerke bieten sich hier an, da sie schnell einsatzbereit sind. Die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit tritt dabei in den Vordergrund.


Sind die Gaskraftwerke wirtschaftlich, wenn ihr Einsatz zeitlich so eingeschränkt ist?

Layr: Im derzeit herrschenden System rechnen sie sich nicht. Dass es aber auch Ansätze alternativer Modelle gibt, zeigt die deutsche Bundesnetzagentur vor: Sie fordert die Vorhaltung von Reservekapazitäten ein und gesteht für deren Bereitstellung auch eine angemessene Vergütung zu. Mit dem temporären Einsatz der Kraftwerke können die Betreiber zudem Zusatzerträge erzielen. Tatsächlich stellt die EVN dem Übertragungsnetzbetreiber im süddeutschen Raum ihre Gaskraftwerke in Theiss und Korneuburg bereits seit 2011 als Reservekapazität zur Verfügung und wird das auch in den kommenden Jahren tun. Die entsprechenden Verträge sind bereits unterschrieben. Dass Reserven auch tatsächlich benötigt werden, zeigt die Tatsache, dass unsere Anlagen im vergangenen Jahr mehr als 80 Mal abgerufen wurden.

Szyszkowitz: Die Bereitstellung von Reservekapazität erfolgt derzeit auf Basis von bilateralen Verträgen. Hier wäre aber eine Grundsatzentscheidung über eine Anpassung des Marktdesigns erforderlich. Denn in einem vernetzten Europa macht die Versorgungssicherheit nicht an Landesgrenzen Halt. Die technischen und ökonomischen Parameter der einzelnen Länder müssen aufeinander abgestimmt sein, und das Marktmodell ist an das neue Umfeld anzupassen. Dabei hat die Versorgungssicherheit höchste gesellschaftliche Priorität.


Aktuell ist auch die Einführung der intelligenten Zähler, der so genannten Smart Meters, in der öffentlichen Berichterstattung präsent. Wie erfolgt die Umsetzung in der EVN?

Layr: Seit 2013 haben wir in mehreren Pilotprojekten unterschiedliche Gerätetypen und Technologien für eine sichere Datenübertragung getestet. Derzeit arbeiten wir an den technischen Voraussetzungen, mit denen ein sicheres Ablesen der Verbrauchsdaten gewährleistet werden kann. Denn die Datensicherheit ist das zentrale Thema im Zusammenhang mit der Einführung der Smart Meters. Wir werden jeden Kunden fragen, ob er die Funktionen des intelligenten Zählers auch haben möchte. Denn wir denken, dass die bewusste Entscheidung des Kunden die Akzeptanz für die neue Zählergeneration erhöhen wird. Wir müssen auch darauf Bedacht nehmen, dass die Smart Meters wesentliche Elemente der Netzinfrastruktur sind und vor Cyber-Attacken geschützt werden müssen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Daher werden wir bei der Auswahl der Geräte besonders hohe Maßstäbe ansetzen.


Eine andere gesetzliche Vorgabe ist das neue Energieeffizienzgesetz. Wie läuft hier die Umsetzung?

Szyszkowitz: Wir sind als Energielieferant seit 1. Jänner 2015 dazu verpflichtet, die Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen bei unseren Kunden nachzuweisen. Konkret soll der Energieverbrauch jährlich um 0,6 % gesenkt werden. Für uns hat das Thema besonders hohe Bedeutung, denn der Name EVN steht ja auch für den Grundsatz „Energie vernünftig nutzen“. Deshalb begleiten wir unsere Kunden ganz gezielt und umfassend bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen und bei der Erreichung von Einsparungszielen.


Wie wollen Sie die gesetzliche Vorgabe erfüllen?

Layr: Mit dem Angebot unserer Energiedienstleistungen haben wir bereits konkrete Schritte gesetzt. Wir bieten verschiedenste Dienstleistungen an, mit denen wir unsere Kunden bei der Senkung ihres Energieverbrauchs unterstützen. Beispiele dafür sind etwa die thermografische Untersuchung von Gebäuden oder die Beratung im Zuge eines Heizungstauschs, mit denen wir unseren Kunden Ineffizienzen in der Energienutzung und gleichzeitig Möglichkeiten zur Energieeinsparung aufzeigen.

„Unser Ziel ist es, mittelfristig den Anteil des selbst produzierten Stroms aus erneuerbarer Energie zu steigern.“ Stefan Szyszkowitz


Wie werden diese neuen Dienstleistungen angenommen?

Szyszkowitz: Wir stellen steigendes Interesse unserer Kunden fest. Mit der Einführung unserer so genannten „Bonuswelt“ haben wir einen zusätzlichen Anreiz gesetzt, unsere Angebote zu nutzen. Im Rahmen dieser Aktion erhalten unsere Strom- und Gaskunden seit dem 1. Oktober 2014 automatisch Bonuspunkte, die dann für die Nutzung von Energiedienstleistungen eingesetzt werden können. Damit ersparen sich unsere Kunden bares Geld.

Layr: Das Bonuspunkte-Programm bietet den Kunden zwei wesentliche Vorteile: Sie ersparen sich bei der Durchführung einer Effizienzmaßnahme einen Teil der Kosten, zudem sinkt ihr Energieverbrauch langfristig. Und auch die EVN profitiert in zweifacher Weise, da wir mit der Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen einerseits die von unseren Kunden positiv wahrgenommene Beratungskompetenz einbringen können und andererseits die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Die Bonuspunkte können im Übrigen auch bei der Anschaffung neuer und effizienterer Geräte eingesetzt werden.


Die Wärmeversorgung stellt mittlerweile einen wichtigen Teil Ihres Geschäfts dar. Wie ist dieses Geschäftsfeld aufgestellt?

Szyszkowitz: Wir sind in der Naturwärmeversorgung der größte Anbieter in Österreich. Mit Naturwärme meinen wir die Produktion der Wärme aus Biomasse, also überwiegend aus Holz-Hackschnitzeln. Wir waren hier in der Erschließung der Ballungsräume schon sehr früh aktiv und decken mit unseren mehr als 60 Anlagen weite Bereiche Niederösterreichs ab.

Layr: Die Anlagen stehen in Gemeinden oder Städten im gesamten Bundesland; damit ist die Nähe zum Kunden hier sprichwörtlich gegeben, und die Marke EVN flächendeckend präsent. Aber noch wichtiger ist, dass wir den Kunden den höchsten Komfort in der Bereitstellung von Wärme bieten können und dabei die Produktion umweltfreundlich ist.

„Wir begleiten unsere Kunden ganz gezielt und umfassend bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen.“ Stefan Szyszkowitz


Sie sind auch in der Wasserversorgung in Niederösterreich aktiv. Welche Anforderungen stellen die Kunden hier?

Layr: Wir versorgen mittlerweile mehr als 560.000 Einwohner Niederösterreichs direkt oder indirekt mit sauberem Trinkwasser. Höchste Priorität hat natürlich auch in diesem Geschäftsfeld die Versorgungssicherheit. Deshalb erschließen wir laufend neue Quellen und Brunnenfelder oder verbinden bestehende, um auch in niederschlagsarmen Monaten alle Regionen in unserem Versorgungsgebiet ausreichend versorgen zu können.

Szyszkowitz: Neben dem berechtigten Anspruch auf Versorgungssicherheit steigen die Anforderungen der Kunden an die Wasserqualität. Dies betrifft vor allem die Reduktion der Wasserhärte. Diese können wir in unseren Naturfilteranlagen mittels Membrantechnik und ohne den Zusatz von Chemikalien auf natürliche Art reduzieren. Zwei solche Anlagen sind bereits in Betrieb, eine dritte ist in Bau.


Kommen wir zurück zum Energiegeschäft. Wie entwickeln sich Ihre Auslandsmärkte in Südosteuropa?

Layr: Wir sehen eine Stabilisierung des politischen Umfelds und auch wieder steigende volkswirtschaftliche Wachstumsraten. Die Herausforderungen der vergangenen Jahre bleiben aber nach wie vor bestehen: Die schrittweise Liberalisierung, sowohl in Mazedonien als auch in Bulgarien, verändert das Umfeld. Die Marktteilnehmer und vor allem die Kunden sind zum Teil aber noch nicht wirklich darauf vorbereitet. Wir bemühen uns jedoch darum, gemeinsam mit den lokalen Regulierungsbehörden und anderen Stakeholdern Lösungen für die Umsetzung der Liberalisierung zu finden. Funktionierende Märkte brauchen stabile Rahmenbedingungen und aktive Marktteilnehmer. Sie beruhen auf Vertrauen, das nicht von heute auf morgen entsteht. Diese Entwicklung hat auch in Österreich einige Jahre gedauert.

Szyszkowitz: Ein weiterer wichtiger Faktor sind die operativen Maßnahmen zur Performance-Verbesserung. Hier haben wir durch lückenloses Zählerdaten-Management und durch Verbesserungen der Netzinfrastruktur schon einiges erreicht und arbeiten intensiv daran, die Netzverluste weiter zu reduzieren und gleichzeitig die Einbringlichkeit der Forderungen zu erhöhen. Deshalb sind wir guter Dinge, in der Region mittelfristig auch höhere Ergebnisbeiträge erzielen zu können.


Was hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr im internationalen Projektgeschäft des Umweltsegments getan?

Szyszkowitz: Wir haben nach intensiven Verhandlungen mit der Stadt Moskau eine für beide Seiten positive Lösung für das Projekt Natriumhypochloritanlage gefunden: Das städtische Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsunternehmen hat die Anlage erworben und damit die Investitionskosten und auch zukünftige Ertragsanteile der EVN abgedeckt.


Und wie sehen die Planungen für das Umweltsegment aus?

Layr: Wir wollen uns jetzt wieder auf die Akquisition von Neuprojekten konzentrieren. Die Erdöl exportierenden Länder des Nahen und Mittleren Ostens, insbesondere jene auf der arabischen Halbinsel, haben hohen Investitionsbedarf in der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung. Wir können mit unserer Projekterfahrung dort einen Beitrag leisten und neue Märkte für die EVN erschließen. Selbstverständlich gehen wir bei der Akquisition sehr sorgsam vor und gehen in neue Märkte nur nach Absicherung des politischen Risikos.


Herr Layr, welche Herausforderungen kommen auf die Energiewirtschaft und auf die EVN im Speziellen in den nächsten Jahren zu?

Layr: Die Digitalisierung verändert derzeit alle Lebensbereiche. Auch in der Energiewirtschaft entstehen neue Optimierungsmöglichkeiten und Geschäftsideen. Neue Wettbewerber treten mit ihren „ smarten“ Lösungen auf dem Markt auf. Im EVN Zukunftslabor, unserer Open-Space-Plattform, werden die aktuellen Trends analysiert und Optionen entwickelt. (Anmerkung: Für mehr Informationen zum EVN Zukunftslabor )


Was dürfen Ihre Kunden erwarten?

Szyszkowitz: Wir werden unsere Dienstleistungspalette für unterschiedliche Kundengruppen ausbauen und dabei verstärkt auf die Möglichkeiten des Internet setzen. Durch die Digitalisierung sehen wir außerdem Potenziale zur Prozessoptimierung entlang unserer Wertschöpfungskette. Die Dinge, die wir tun, wollen wir einfacher und besser machen; und wir wollen Chancen ergreifen, um neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln. Gleichzeitig entstehen auch neue Herausforderungen im Bereich der Datensicherheit. Deshalb ist es mir wichtig zu betonen, dass wir bei allen Digitalisierungsmaßnahmen dieses Thema besonders ernst nehmen. Die Datensicherheit ist eine Voraussetzung für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit zum Wohl unserer Kunden.

„Datensicherheit ist das zentrale Thema im Zusammenhang mit der Einführung der Smart Meters.“Peter Layr


Welche Rolle wird die EVN im Energiesystem der Zukunft spielen?

Layr: Intelligente Netze und Energie-Management sind die Zukunft. Durch die zunehmende Dezentralisierung der Produktion, die mit dem Ausbau der Wind- und Photovoltaikkapazitäten verbunden ist, wird es in Zukunft noch wichtiger werden, die Stabilität der Energieversorgung aufrechtzuerhalten. Zudem will sich der einzelne Kunde nicht unbedingt selbst um die optimale Nutzung der vorhandenen Energie und um die Gewährleistung seiner eigenen Versorgung kümmern. Energie hat zum gewünschten Zeitpunkt einfach da zu sein. Genau da setzen wir an, egal ob es um individuelle Lösungen für einen Haushalt oder um größere Lösungen für eine ganze Gemeinde geht. Ein wichtiger Teil des Energie-Managements ist das Netzgeschäft, das auch in Zukunft auf Basis konventioneller Technologien erfolgen wird, da die Leitungen betreut und im Fall von Schäden repariert werden müssen. Ich erinnere hier etwa an die extreme Eisbelastung im Vorjahr, die unsere Mitarbeiter vorbildlich bewältigt haben. Wir verfügen hier über mehr als 90 Jahre Erfahrung, und wir haben bewiesen, dass wir das Geschäft verstehen. Aus diesem Grund können Sie darauf vertrauen, dass die EVN ihre Aufgaben zum Wohl ihrer Kunden auch in Zukunft verlässlich erfüllen wird.

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