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Grundsätze der Rechnungslegung

1. Allgemeines

Die EVN AG als Mutterunternehmen des EVN Konzerns (EVN) ist ein in 2344 Maria Enzersdorf ansässiges führendes börsenotiertes Energieund Umweltdienstleistungsunternehmen. Neben der Versorgung des niederösterreichischen Heimmarkts ist die EVN in der Energiewirtschaft Bulgariens, Mazedoniens und Kroatiens tätig. Im Umweltbereich werden über Tochtergesellschaften Kunden in 13 Ländern in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und thermische Abfallverwertung betreut.

Der Konzernabschluss wird auf den Stichtag des Jahresabschlusses der EVN AG aufgestellt. Das Geschäftsjahr der EVN AG umfasst jeweils den Zeitraum 1. Oktober bis 30. September.

Im Konzern erfolgt die Bilanzierung und Bewertung nach einheitlichen Kriterien. Weichen Abschlussstichtage einbezogener Unternehmen von jenem der EVN AG ab, werden Zwischenabschlüsse auf den Konzernbilanzstichtag erstellt.

Sofern nicht anders angegeben, wird der Konzernabschluss auf Grundlage historischer Anschaffungs- und Herstellungskosten erstellt.

Zur übersichtlicheren Darstellung sind in der Konzern-Bilanz sowie in der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung Posten zusammengefasst und im Konzernanhang nach dem Prinzip der Wesentlichkeit gesondert aufgeführt und erläutert. Die Beträge im Konzernabschluss werden zum Zweck der Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit, sofern nicht anders angegeben, grundsätzlich in Millionen Euro (Mio. Euro bzw. Mio. EUR) ausgewiesen. Durch die kaufmännische Rundung von Einzelpositionen und Prozentangaben kann es zu geringfügigen Rechendifferenzen kommen.

Die Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung wird nach dem Gesamtkostenverfahren aufgestellt.

2. Berichterstattung nach IFRS

Der vorliegende Konzernabschluss wurde in Anwendung von § 245a UGB nach den Vorschriften aller am Abschlussstichtag vom International Accounting Standards Board (IASB) verlautbarten und anzuwendenden Richtlinien der IFRS sowie den Interpretationen des International Financial Reporting Interpretations Committee (IFRIC), wie sie in der Europäischen Union (EU) anzuwenden sind, erstellt.


Erstmals anwendbare Standards und Interpretationen sowie geänderte Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
Folgende Standards und Interpretationen wurden erstmals im Geschäftsjahr 2014/15 angewendet:

2. Erstmals anwendbare Standards und InterpretationenInkrafttreten1)
Neue Standards und Interpretationen
IFRS 21Abgaben17.06.2014
Geänderte Standards und Interpretationen 
IAS 19Leistungen an Arbeitnehmer – Leistungsorientierte Pläne: Arbeitnehmerbeiträge01.02.20152)
IAS 32Finanzinstrumente: Darstellung – Saldierung von finanziellen Vermögenswerten und
finanziellen Verbindlichkeiten
01.01.2014
DiverseAnnual Improvements 2010 –201201.02.20152)
DiverseAnnual Improvements 2011–201301.01.20152)

IFRIC 21 stellt klar, wie und insbesondere wann Verpflichtungen aus Abgaben, die durch eine Regierungsinstanz erhoben werden und nicht in den Anwendungsbereich eines anderen IFRS fallen, nach IAS 37 zu passivieren sind. Eine Verpflichtung ist gem. IFRIC 21 dann zu erfassen, wenn das Ereignis eintritt, das die Entrichtung einer Abgabe aufgrund einer gesetzlichen Vorschrift auslöst. In den Anwendungsbereich des IFRIC 21 fallen bei der EVN unter anderem das in Österreich mit 1. Jänner 2015 in Kraft getretene Energieeffizienzgesetz (EEffG). Energielieferanten sind demnach dazu verpflichtet, die Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen bei ihren Endkunden im Umfang von 0,6 Prozent ihrer Vorjahresenergieabsätze nachzuweisen. Für nicht erbrachte Nachweise ist ein Ausgleichsbetrag vorgesehen, der im EEffG geregelt ist. Das verpflichtende Ereignis nach dem EEffG ist die erste Energielieferung im Kalenderjahr, in dem die Energieeffizienzmaßnahmen durch den Energielieferanten auf Basis der Absätze des Vorjahres dokumentiert werden. Zu diesem Zeitpunkt ist die Rückstellung in voller Höhe im Ausmaß für die bis zum Stichtag noch nicht durch Maßnahmen erfüllte Einsparungsverpflichtung anzusetzen. In der EVN ist im Wesentlichen die at Equity einbezogene EVN KG als Vertriebsgesellschaft für Haushaltskunden im Strom- und Gasbereich von den Bestimmungen des EEffG betroffen. In geringerem Umfang betrifft dieses weiters die EVN Wärme als Lieferant von Fernwärme.

Die erstmalige Anwendung der übrigen neuen und geänderten Standards und Interpretationen hatte keine Auswirkungen auf den Konzernabschluss.

Die Auswirkungen geänderter Standards und Interpretationen auf die zukünftige Darstellung des Konzernabschlusses und die zukünftigen Angaben im Konzernabschluss werden laufend beobachtet und analysiert.

Noch nicht anwendbare Standards und Interpretationen
Die folgenden Standards und Interpretationen wurden bis zum Bilanzstichtag des Konzernabschlusses vom IASB ausgegeben und wurden von der EU noch nicht übernommen.

2. Erstmals anwendbare Standards und InterpretationenInkrafttreten1)
Neue Standards und Interpretationen
IFRS 9Finanzinstrumente01.01.20181)
IFRS 14Regulatorische Abgrenzungsposten01.01.20161) 2)
IFRS 15Umsatzrealisierung aus Verträgen mit Kunden01.01.20181)
Geänderte Standards und Interpretationen 
IAS 1Darstellung des Abschlusses: „Disclosure Initiative“01.01.20161)
IAS 16, IAS 38Sachanlagen und Immaterielle Vermögenswerte – Klarstellung zu zulässigen Abschreibungsmethoden01.01.20161)
IAS 16, IAS 41Sachanlagen und Landwirtschaft – Fruchttragende Gewächse01.01.20161)
IAS 27Einzelabschlüsse – Equity-Methode in Einzelabschlüssen01.01.20161)
IFRS 10,
IAS 28
Konzernabschlüsse und Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen –
Veräußerung oder Einlagen von Vermögenswerten an ein assoziiertes Unternehmen
oder ein Gemeinschaftsunternehmen
01.01.20161) 3)
IFRS 10, IFRS 12,
IAS 28
Konzernabschlüsse und Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen –
Investmentgesellschaften: Anwendung der Konsolidierungsausnahme
01.01.20161)
IFRS 11Gemeinsame Vereinbarungen – Erwerb von Anteilen an gemeinschaftlichen Tätigkeiten01.01.20161)
DiverseAnnual Improvements 2012–201401.01.20161)

Am 24. Juli 2014 veröffentlichte das IASB die finale Version des IFRS 9, des Nachfolgestandards von IAS 39 zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten. Das 2008 als Reaktion auf die Finanzkrise begonnene Projekt kam damit zu einem Abschluss, wobei die neuen Regelungen verpflichtend erst für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Jänner 2018 beginnen, anzuwenden sind. Eine frühere Anwendung ist zulässig, die Übernahme durch die EU steht jedoch noch aus. IFRS 9 beinhaltet überarbeitete Vorgaben zur Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten sowie erweiterte Regelungen hinsichtlich der Wertminderung finanzieller Vermögenswerte und umfasst ferner neue Regelungen zum Hedge Accounting. Auswirkungen auf den Konzernabschluss der EVN werden hinsichtlich der Klassifizierung und Bewertung finanzieller Vermögenswerte erwartet, wobei derzeit noch keine Aussage betreffend die Effekte auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage gemacht werden kann. Weiters wird mit geringfügigen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im Bereich des Hedge Accounting gerechnet, da die zukünftigen Regelungen stärker mit der Realität des Risikomanagements einhergehen und damit Abweichungen von der bisherigen Bilanzierungspraxis wahrscheinlich machen. Die Auswirkungen aus der Anwendung des IFRS 9 werden mit Übernahme in europäisches Recht im Detail untersucht werden.

IFRS 14 wurde vom IASB am 30. Jänner 2014 als so genannter Interims-Standard veröffentlicht. IFRS 14 erlaubt Unternehmen, welche die internationalen Rechnungslegungsstandards erstmalig anwenden, preisregulierte Absatzgeschäfte in Übereinstimmung mit den von ihnen bisher angewendeten Rechnungslegungsvorschriften abzubilden. Als Interims-Standard stellt IFRS 14 eine Zwischenlösung dar, bis sich das IASB im Rahmen des Projekts „Rate-regulated Activities“ auf die Bilanzierung dieses Sachverhalts geeinigt hat. Bisher finden sich in den IFRS keine Regelungen zur Bilanzierung von preisregulierten Absatzgeschäften, wohingegen in einigen Ländern – so auch in Österreich – nationale Vorschriften die Erfassung von Regulatorischen Abgrenzungsposten fordern. Nach herrschender Meinung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt in einem nach IFRS erstellten Abschluss kein Ansatz eines regulatorischen Vermögenswerts bzw. einer regulatorischen Schuld zulässig. Die EVN ist von den Regelungen des IFRS 14 nicht unmittelbar betroffen, da sich diese rein an IFRS-Erstanwender richten. Am 30. Oktober 2015 wurde bekanntgegeben, dass die Europäische Kommission den Interims-Standard IFRS 14 nicht zur Übernahme in EURecht vorschlagen, sondern auf den endgültigen Standard warten wird.

IFRS 15 wurde vom IASB am 28. Mai 2014 veröffentlicht und regelt die Umsatzrealisierung bei Verträgen mit Kunden. Ziel des zwischen IASB und dem FASB gemeinsamen mehrjährigen Standardsetzungsprozesses war es, die bisher sehr unterschiedlichen Vorschriften in den IFRS und den US-GAAP zu vereinheitlichen und branchenübergreifend prinzipienbasierte Regelungen festzulegen. IFRS 15 ersetzt für IFRS-Anwender IAS 11 „Fertigungsaufträge“ und IAS 18 Erlöse sowie einige Interpretationen, wie unter anderen IFRIC 18 Übertragungen von Vermögenswerten von Kunden, in dessen Anwendungsbereich bei der EVN zum Teil erhaltene Baukostenbeiträge fallen. Der neue Standard basiert auf einem fünfstufigen Modell, das auf alle Verträge mit Kunden anzuwenden ist, sofern nicht andere Standards, bspw. Leasingverhältnisse, speziellere Regelungen vorsehen. Im Hinblick auf die zeitliche Erfassung von Umsatzerlösen regelt IFRS 15 detailliert, ob die Erlöse zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über einen Zeitraum hinweg zu erfassen sind. Zentral für die Beurteilung ist dabei der Zeitpunkt der Erfüllung einer bestimmten Leistungsverpflichtung, wobei IFRS 15 auf ein allgemeines Beherrschungsmodell abstellt. Der Übergang der Beherrschungsmacht determiniert demnach die zeitliche Erfassung der Erlöse. Letztlich schreibt IFRS 15 im Bereich der Umsatzrealisierung neue umfangreiche Anhangangaben im Konzernabschluss vor. Das IASB hat im September 2015 das Datum zur verpflichtenden Anwendung des IFRS 15 um ein Jahr auf Geschäftsjahre, die nach dem 1. Jänner 2018 beginnen, angepasst. Die Auswirkungen aus der Anwendung des IFRS 15 werden mit Übernahme in europäisches Recht im Detail untersucht werden.

Mit der sogenannten „Disclosure Inititative“ wurden erste, kurzfristig umsetzbare Vorschläge zur Änderung des IAS 1 umgesetzt, welche im Zusammenhang mit der Überarbeitung des Rahmenkonzepts stehen. Die Änderungen beinhalten Bestimmungen in Hinblick auf die Wesentlichkeit im Zusammenhang mit Anhangsangaben, Erläuterungen zur Aggregation und Disaggregation von Posten in der Bilanz und der Gesamtergebnisrechnung sowie Ausführungen zur Struktur einzelner Informationen des Anhangs, welche zukünftig beispielsweise in Abhängigkeit der Relevanz einzelner Informationen für das Verständnis der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens systematisiert werden können. Die EVN rechnet nicht mit materiellen Auswirkungen aus diesen geänderten Bestimmungen. Potenzielle Anpassungen könnten sich aus einer überarbeiteten Berichtsstruktur des Konzernabschlusses ergeben. Diese werden im Detail analysiert, sobald die Übernahme in europäisches Recht erfolgt ist.

Aus der zukünftigen erstmaligen Anwendung der restlichen neuen geänderten Standards und Interpretationen rechnet die EVN nicht mit keinen wesentlichen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

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