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Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das Wachstum der Weltwirtschaft setzte sich im Jahr 2011 trotz konjunkturbremsender Ereignisse fort. Effekte aus dem kräftigen Anstieg des Ölpreises infolge der politischen Umbrüche im arabischen Raum und dem Erdbeben in Japan wurden bis zur Mitte des Jahres 2011 weitgehend verarbeitet. Eine konjunkturelle Abkühlung und die Eskalation der Schuldenkrise in einigen Industrieländern sorgten jedoch im 2. Halbjahr für Unsicherheit sowie anhaltende Volatilität an den Aktienmärkten. Auch wenn sich die Weltwirtschaft zwischenzeitlich erholte, blieb die Lage dennoch angespannt. Positive Effekte auf die Konjunktur ergaben sich im 1. Halbjahr 2011 vornehmlich aus der anhaltend expansiven Geld- und Fiskalpolitik der Industrieländer und der immer noch beständigen Export- und Investitionsnachfrage.

Angesichts der schwachen Konjunktur der Industrieländer erwiesen sich die Entwicklungs- und Schwellenländer dank ihrer robusten Wirtschaftsentwicklung zunehmend als die wichtigste Stütze der Weltwirtschaft. Im Jahr 2011 war deren durchschnittliches Wachstum mehr als dreimal so hoch wie das der Industrienationen und trug zu mehr als der Hälfte des Wachstums der Weltproduktion bei. Erneut lieferte die Volksrepublik China wichtige Impulse, wobei Brasilien und Indien ebenfalls erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Das weltwirtschaftliche Wachstum betrug im Jahr 2011 rund 3,6 % (2010: 5,2 %).

ANTEIL FÜHRENDER WIRTSCHAFTSNATIONEN AM WELTWEITEN BIP


in % 2010 2009
Quellen: IMF, World Economic Outlook 2011, 2010
USA 19,5 20,4
China 13,6 12,6
Japan 5,8 6,0
Indien 5,5 5,1
Deutschland 4,0 4,0
Russland 3,0 3,0

in % 2010 2009
Quellen: IMF, World Economic Outlook 2011, 2010
USA 19,5 20,4
China 13,6 12,6
Japan 5,8 6,0
Indien 5,5 5,1
Deutschland 4,0 4,0
Russland 3,0 3,0

Europa

In Europa knüpfte das Wachstum im Jahr 2011 an die langsame Erholung des Euro-Raums im vorangegangenen Jahr an: Das BIP-Wachstum verringerte sich auf 1,6 % (2010: 1,9 %). Die Entwicklung in den einzelnen Ländern war jedoch sehr heterogen: Deutschland verzeichnete überdurchschnittliches, Italien und Spanien hingegen unterdurchschnittliches Wachstum. In Portugal (- 1,5 %) und Griechenland (-5,3 %) sank das BIP.

Die unverändert hohe Arbeitslosenquote von rund 10,0 % im Jahr 2011 verhinderte eine generelle Belebung der schwachen privaten Konsumnachfrage im Euro-Raum. Während in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Italien die Arbeitslosenquote zurückging, verschlechterte sich die Situation am Arbeitsmarkt in vielen Ländern, darunter Irland, Portugal, Griechenland und Spanien. Auswirkungen der Immobilienkrise waren insbesondere in Spanien und Irland weiterhin spürbar.

Die hohe Verschuldung, eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agenturen und ein erhöhter Risikoaufschlag für Staatsanleihen insbesondere in den Peripherieländern des Euro-Raums erhöhten den Druck, ehrgeizige Konsolidierungspläne zu verfolgen. In den südeuropäischen Ländern ist eine effizientere Wirtschaft vonnöten; Reformbedarf hat vor allem der öffentliche Sektor. Aber auch in einigen Kernländern sind Anstrengungen notwendig, um eine nachhaltige Schuldenstandsentwicklung auf den Weg zu bringen. Die Probleme im Euro-Raum bescherten dem Euro zum Ende des Jahres 2011 schließlich seinen Tiefstand gegenüber dem US-Dollar seit September 2010.

Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland setzte sich im Jahr 2011 fort. Zwar schwächte sich die im 1. Halbjahr gute Exportnachfrage durch die Abkühlung der Weltwirtschaft zum Jahresende ab. Die Zuwachsrate des BIP im Jahr 2011 betrug dennoch durchschnittlich 3,0 % (2010: 3,6 %). Die stabile Binnennachfrage, die einigermaßen solide Situation der Staatsfinanzen und die gesunkene Arbeitslosenquote trugen zu der positiven Entwicklung bei.

Die Schwellenländer Mittel- und Osteuropas sehen sich mit ähnlichen Problemen wie viele Industrieländer konfrontiert. Der restriktive Kurs der Fiskalpolitik dämpfte die wirtschaftliche Entwicklung und nur wenige Länder, u. a. Polen, konnten eine robuste private Nachfrage entgegenhalten. Das BIP der Region wuchs um rund 3,5 %.

USA

Die Wirtschaft in den USA holte nach einem schwachen 1. Halbjahr 2011 etwas auf. Das BIP-Wachstum lag mit 1,7 % im Jahr 2011 jedoch unter Vorjahr (2010: 3,0 %). Maßgeblich für das Wachstum waren der private Konsum und der gestiegene Investitionsbedarf, vornehmlich aus dem an Bedeutung gewinnenden verarbeitenden Gewerbe.

Auch im Jahr 2011 konnte sich der angeschlagene US-amerikanische Immobilienmarkt noch nicht merklich erholen. Der Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von rund 9,0 % – darunter viele Langzeitarbeitslose – kam zwar leicht in Schwung, blieb aber grundsätzlich strukturell schwach. Während der private Sektor Stellen schaffte, baute der Staat Stellen ab.

In den USA nahmen die Schulden in Relation zur Wirtschaftskraft seit dem Jahr 2008 um 30 % auf nunmehr 100 % zu. Als Folge drohte im Sommer 2011 die Zahlungsunfähigkeit; die Kreditwürdigkeit wurde zum ersten Mal in der Nachkriegszeit herabgestuft. Um konjunkturelle Impulse zu geben, setzte die US-amerikanische Notenbank ihre expansive Geldpolitik fort und erhöhte seit Ende des Jahres 2010 den Anteil der Staatsanleihen in der Zentralbankbilanz signifikant. Im September 2011 wurde die „Operation Twist“ initiiert, bei der zur Senkung der Kreditzinsen kurzfristige Anleihen gegen langfristige Anleihen mit einem Volumen von 400 Mrd US$ getauscht werden.

Die USA planen, in den nächsten zehn Jahren 4,4 Bio US$ einzusparen, um den Schuldenstand zu stabilisieren. In aktuellen Debatten zur Einhaltung der Schuldengrenze wird bereits für das Jahr 2013 ein notwendiges Einsparvolumen von 1,2 Bio US$ beziffert. Geplant ist, die Ausgaben aller öffentlichen Haushalte zu kürzen.

Asien

Die prosperierenden Länder Asiens erwiesen sich wieder als wichtige Stütze der Weltwirtschaft. Asien bleibt die dynamischste Region der Welt: Das BIP in Asien (ohne Japan) ist im Jahr 2011 um 7,3 % gestiegen (2010: 9,4 %).

Die größten Wachstumsraten wiesen China mit 9,1 % (2010: 10,3 %) und Indien mit 7,3 % (2010: 9,9 %) auf. Beide Länder zeichnen sich durch eine ausgeprägte intraregionale Vernetzung der Märkte und eine rege inländische Nachfrageentwicklung aus. Eine insbesondere in China geringe Arbeitslosigkeit, Produktivitätsgewinne und steigende Löhne unterstützten den privaten Konsum. Investitionsausgaben nahmen dank hoher Kapazitätsauslastung und Infrastrukturmaßnahmen zu.

Um der steigenden Inflation und einer Überhitzung entgegenzuwirken, reduzierte die chinesische Zentralbank bereits Ende des Jahres 2010 die Kreditvergabe durch Anhebung des Leitzinses. Dank weitergehender Maßnahmen wertete die chinesische Währung gegenüber dem US-Dollar deutlich auf. Nach einer jahrelang wenig expansiven Geldpolitik ist seit Jahresende 2011 in einigen Schwellenländern eine Welle monetärer Lockerungsmaßnahmen zu beobachten: China etwa reduzierte die Mindestreserveanforderungen, um einer Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik entgegenzuwirken.

Im März 2011 erschütterte die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe die Wirtschaft in Japan und beeinträchtigte die bereits schwache konjunkturelle Entwicklung erheblich. Experten bewerten den Vermögensschaden mit bis zu 4,0 % des BIP. Trotz einer Ausweitung der Notenbankinterventionen belastete die stark aufgewertete heimische Währung weiterhin die japanische Exportindustrie. Das BIP-Wachstum im Jahr 2011 war rückläufig mit -0,8 % (2010: +4,5 %).

Die übrigen asiatischen Länder waren nur in geringem Umfang von der Finanzkrise betroffen. Die meisten dieser Staaten profitierten weiterhin von der Erholung des Welthandels. Dieses positive Wachstumsumfeld sowie der strukturelle Aufholprozess erklären Wachstumsraten, die teilweise deutlich über denen der entwickelten Industrienationen liegen.

Lateinamerika

Eine stabile Binnennachfrage und eine verminderte Abhängigkeit von der Entwicklung in den USA bescherten den Ländern Lateinamerikas im Jahr 2011 ein gutes, wenn auch geringeres Wachstum als im Vorjahr von 4,3 % (2010: 6,1 %). Durch die verstärkten Handelsbeziehungen mit anderen Schwellenländern sind Länder wie Brasilien, Argentinien und Chile in geringerem Maße von der schwachen Konjunktur der Industrienationen betroffen als Länder mit einer ausgeprägten Verflechtung mit Industrieländern.

Der BIP-Zuwachs in Mexiko lag aufgrund der weiterhin starken US-Handelsverflechtungen und einer höheren Inflationsrate mit 3,9 % im Jahr 2011 unter Vorjahr (2010: 5,5 %).

Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas, Brasilien, konnte die hohe, vor allem vom privaten Konsum getriebene wirtschaftliche Dynamik des vergangenen Jahres im Jahr 2011 nicht aufrechterhalten. Die Maßnahmen zur Dämpfung der Inflations- und Kreditentwicklung reduzierten das Konjunkturwachstum, bis die brasilianische Zentralbank im August 2011 mit einer geldpolitischen Kehrtwende überraschte: Sie senkte den Leitzins. Weitere konjunkturstimulierende Impulse werden von der Reduktion der Konsumsteuer erwartet. Insgesamt verringerte sich die Zuwachsrate des BIP jedoch deutlich auf 2,8 % (2010: 7,5 %).

Argentinien hingegen verzeichnete im Jahr 2011 erneut das höchste Wachstum der Region und steigerte das BIP um 7,8 % (2010: 9,2 %).


Quelle: Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2011 / 2012, Banken-Research

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