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Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Der Gesundheitssektor zählt zu den weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweigen. Er ist im Vergleich zu anderen Branchen weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen und konnte in den zurückliegenden Jahren überdurchschnittlich wachsen.

Wesentliche Wachstumsfaktoren sind

  • zunehmender Bedarf an medizinischer Behandlung, den eine älter werdende Gesellschaft mit sich bringt,
  • wachsende Zahl chronisch kranker und multimorbider Patienten,
  • steigende Nachfrage nach innovativen Produkten und Therapien,
  • medizintechnischer Fortschritt,
  • zunehmendes Gesundheitsbewusstsein, das zu einem steigenden Bedarf an Gesundheitsleistungen und -einrichtungen führt.

In den Schwellenländern sind die Wachstumstreiber darüber hinaus

  • stetig zunehmende Zugangsmöglichkeiten und steigende Nachfrage nach medizinischer Basisversorgung sowie
  • steigendes Volkseinkommen und damit höhere Ausgaben im Gesundheitssektor.

Gleichzeitig steigen die Kosten der gesundheitlichen Versorgung und bilden einen immer höheren Anteil am Volkseinkommen. Die Gesamtausgaben für Gesundheit der OECD-Länder im Jahr 2009 beliefen sich im Durchschnitt auf 9,5 % des BIPs. Dies entspricht durchschnittlich 3.223 US$ pro Kopf. Die höchsten Ausgaben pro Kopf verzeichneten wie in den Vorjahren die USA (7.960 US$), gefolgt von Norwegen (5.352 US$) und der Schweiz (5.144 US$). Deutschland belegt mit 4.218 US$ den neunten Rang im OECD-Ländervergleich.

ANTEIL DER GESUNDHEITSAUSGABEN AM BIP


in % 2009 2000 1990 1980 1970
Quelle: OECD-Gesundheitsdaten 2011
USA 17,4 13,6 12,2 9,0 7,1
Frankreich 11,8 10,1 8,4 7,0 5,4
Deutschland 11,6 10,3 8,3 8,4 6,0
Schweiz 11,4 10,2 8,2 7,3 5,4

in % 2009 2000 1990 1980 1970
Quelle: OECD-Gesundheitsdaten 2011
USA 17,4 13,6 12,2 9,0 7,1
Frankreich 11,8 10,1 8,4 7,0 5,4
Deutschland 11,6 10,3 8,3 8,4 6,0
Schweiz 11,4 10,2 8,2 7,3 5,4

In den OECD-Ländern betrug die Zuwachsrate der Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben in den Jahren 2000 bis 2009 durchschnittlich 4 % jährlich. Im gleichen Zeitraum sind in Deutschland die Gesundheitsausgaben pro Kopf um durchschnittlich 2 % pro Jahr gestiegen. Verglichen mit allen anderen OECD-Ländern ist dies einer der geringsten Anstiege. Dies ist insbesondere auf Maßnahmen zur Senkung der Gesundheitskosten zurückzuführen.

Die Gesundheitsausgaben der OECD-Länder wurden im Jahr 2009 durchschnittlich zu 71,7 % aus öffentlichen Mitteln finanziert. Ausnahmen bilden Chile, die USA und Mexiko, wo der Anteil des öffentlichen Sektors bei weniger als 50 % lag. Mit über 80 % hatten die Tschechische Republik, Japan und Luxemburg (jeweils in 2008), Neuseeland und mehrere nordische Länder, u. a. Schweden, die höchsten Anteile öffentlicher Finanzierung. In Deutschland lag der staatliche Anteil im Jahr 2009 bei 76,9 % und war damit nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr.

Die Lebenserwartung in den meisten OECD-Staaten hat sich in den letzten Jahrzehnten dank besserer Lebensbedingungen, Gesundheitsvorsorge sowie durch Fortschritte bei der medizinischen Versorgung erhöht. Im Jahr 2009 betrug diese im Durchschnitt 79,5 Jahre. In Deutschland lag die Lebenserwartung mit 80,3 Jahren um nahezu ein Jahr über diesem Durchschnitt. Von allen OECD-Ländern hat Japan mit 83 Jahren die höchste Lebenserwartung.

Um die stetig steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen zu begrenzen, werden zunehmend die Versorgungsstrukturen überprüft und Kostensenkungspotenziale identifiziert. Doch Rationalisierungen allein reichen nicht aus, um den Kostendruck durch medizinischen Fortschritt und demografischen Wandel zu kompensieren. Verstärkt werden marktwirtschaftliche Elemente in das Gesundheitswesen eingeführt, um Anreize für kosten- und qualitätsbewusstes Handeln zu schaffen. Gerade durch eine verbesserte Behandlungsqualität können die Behandlungskosten insgesamt reduziert werden. Darüber hinaus gewinnen Vorsorgeprogramme an Bedeutung ebenso wie innovative Vergütungsmodelle, die an die Behandlungsqualität geknüpft sind.

In den USA hat die Regierung im Jahr 2010 eine umfassende Gesundheitsreform verabschiedet. Rund 46 Millionen Menschen ohne Krankenversicherungsschutz und somit etwa 15 % der Bevölkerung sollen schrittweise Zugang zu einer Krankenversicherung erhalten. Eine Grundversicherung wird ab dem Jahr 2014 zur Pflicht. Größere Unternehmen müssen ihren Arbeitnehmern eine Krankenversicherung anbieten, während kleine Unternehmen und einkommensschwache Haushalte eine staatliche Beihilfe zum Abschluss einer Krankenversicherung erhalten. Verschiedene Bundesgerichte haben das Gesetz in Teilen für verfassungswidrig erklärt, andere wiesen die Klagen gegen das Gesetz ab. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs dazu wird im Jahr 2012 erwartet.

Quellen: OECD-Gesundheitsdaten 2011; Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, Gesundheitsreform in den USA, Juni 2010

Im Folgenden werden die Entwicklungen in unseren wichtigsten Märkten näher erläutert:

Der Dialysemarkt

Der Wert des weltweiten Dialysemarktes betrug im Jahr 2011 rund 75 Mrd US$, was einem währungsbereinigten Wachstum von 4 % entspricht. Etwa 62 Mrd US$ entfielen auf Dialysedienstleistungen (inklusive Dialysemedikamente), rund 13 Mrd US$ auf Dialyseprodukte.

Die Zahl der Dialysepatienten stieg weltweit um rund 6 % auf rund 2,2 Millionen. Die regionale Aufteilung zeigt folgendes Bild:

Die Prävalenz, also die relative Zahl der an terminaler Niereninsuffizienz erkrankten und behandelten Menschen pro Million Einwohner, ist regional sehr unterschiedlich und weist eine Schwankungsbreite von weit unter 100 bis deutlich über 2.000 Patienten pro Million Einwohner (PME) auf. Die höchste Prävalenz mit einem Wert von 2.850 PME hat Taiwan, gefolgt von Japan mit 2.520 PME und den USA mit rund 1.950 PME. In den 27 Ländern der Europäischen Union liegt dieser Wert im Durchschnitt bei rund 1.050. Die weitaus geringere durchschnittliche Welt-Prävalenz von rund 400 PME lässt sich zum einen durch Unterschiede in der Altersstruktur und in den Risikofaktoren für Nierenerkrankungen, wie Diabetes und Bluthochdruck, erklären sowie durch genetische Disposition und kulturelle Unterschiede, wie die der Ernährung. Zum anderen ist der Zugang zu Dialysebehandlungen in vielen Ländern so begrenzt, dass viele Menschen mit terminaler Niereninsuffizienz nicht behandelt werden können und deshalb auch nicht in der Prävalenzrechnung erfasst sind. Ein Vergleich der jeweiligen Wirtschaftskraft eines Landes mit seinen Prävalenzwerten zeigt, dass vor allem in Ländern mit einem jährlichen Pro-Kopf-BIP von weniger als 10.000 US$ nicht jeder Erkrankte Zugang zu einer Behandlung hat. Dagegen ist in Ländern, in denen das BIP über diesem Wert liegt, keine Wechselbeziehung zwischen Wirtschaftskraft und Prävalenz erkennbar. Insgesamt zeigt die steigende weltweite Prävalenz jedoch, dass immer mehr Menschen eine Nierenersatztherapie erhalten.

Dialysedienstleistungen

Von den rund 2,2 Millionen Patienten, die im Jahr 2011 eine regelmäßige Behandlung erhielten, unterzogen sich mehr als 89 % der Hämodialyse. Rund 11 % haben sich für eine Peritonealdialyse entschieden. Die überwiegende Mehrheit der Hämodialysepatienten wurde in einer der weltweit rund 31.700 Dialysekliniken versorgt, die im Durchschnitt jeweils 70 Hämodialysepatienten betreuen.

Je nachdem, ob die Gesundheitssysteme in den einzelnen Ländern eher staatlich oder privatwirtschaftlich organisiert sind, unterscheiden sich die Organisationsstrukturen erheblich: So werden in den USA die meisten der rund 5.800 Dialysekliniken privat betrieben und nur etwa 1 % staatlich. In der Europäischen Union hingegen werden rund 60 % der etwa 5.400 Dialyse- kliniken von der öffentlichen Hand geführt. In Japan spielen private Nephrologen eine wichtige Rolle, die dort etwa 80 % der Dialysekliniken betreiben.

In den USA ist der Markt für Dialysedienstleistungen bereits stark konsolidiert: Fresenius Medical Care und der zweitgrößte Anbieter von Dialysedienstleistungen – DaVita – versorgen zusammen rund 66 % aller Patienten. Im Jahr 2011 hat Fresenius Medical Care seine marktführende Position von etwa 33 % behauptet.

Außerhalb der USA ist der Dialysedienstleistungsmarkt äußerst fragmentiert: Hier konkurriert Fresenius Medical Care insbesondere mit unabhängigen Einzelkliniken und Kliniken, die Krankenhäusern angegliedert sind. Fresenius Medical Care betreibt 1.081 Dialysekliniken in rund 40 Ländern und behandelt etwa 95.000 Patienten. Damit verfügt das Unternehmen über das mit Abstand größte und internationalste Dialysenetzwerk.

Die Zahl der Peritonealdialysepatienten betrug im Jahr 2011 weltweit rund 237.000. Fresenius Medical Care hat einen Marktanteil von rund 19 % (2010: 17 %), gemessen am Umsatz. Die Steigerung der Marktanteile ist im Wesentlichen auf die Übernahme des internationalen Peritonealdialyse-Geschäfts von Gambro zurückzuführen, die im Dezember 2010 abgeschlossen wurde. Fresenius Medical Care ist nach Baxter weltweit die Nummer zwei in diesem Markt. In den USA belief sich unser Marktanteil auf 41 %.

Die Vergütungssysteme für die Dialysebehandlung unterscheiden sich von Land zu Land, oft variieren sie sogar innerhalb einzelner Länder. In den USA werden die Kosten für die Behandlung von terminalem Nierenversagen von den staatlichen Trägern erstattet. Die staatlichen Gesundheitsfürsorge-programme Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) stellen für die überwiegende Mehrheit aller US-amerikanischen Dialysepatienten die medizinische Versorgung im Land sicher. Im Jahr 2011 resultierten ungefähr 30 % des Umsatzes der Fresenius Medical Care aus Erstattungen des CMS. Änderungen in der Kostenerstattung des CMS haben daher eine besondere Bedeutung für unser Geschäft in Nordamerika.

Dialyseprodukte

Zu den wichtigsten Produkten im Dialysemarkt zählen Dialysatoren, Hämodialysegeräte, Konzentrate und Dialyselösungen sowie Produkte für die Peritonealdialyse. Fresenius Medical Care ist im Dialyseproduktgeschäft mit einem Marktanteil von rund 33 % weltweit das führende Unternehmen, gefolgt von Baxter mit 19 % und Gambro mit 13 %. Damit versorgen diese drei Hersteller rund 65 % des Marktes. Der Marktanteil der restlichen, mehrheitlich japanischen Anbieter lag jeweils im einstelligen Prozentbereich.

Dialysatoren bilden die größte Produktgruppe. Das Marktvolumen belief sich im Jahr 2011 auf rund 211 Millionen Stück. Davon hat Fresenius Medical Care rund 93 Millionen Stück produziert, also knapp die Hälfte.

Ein noch besseres Bild ergibt sich bei Hämodialysegeräten: Von den etwa 73.000 neu in den Markt gebrachten Geräten stammen rund 55 % von Fresenius Medical Care. In den USA, unserer wichtigsten Geschäftsregion, belief sich unser Marktanteil an diesen beiden Produktgruppen im unabhängigen Markt auf mehr als 80 %. Als unabhängigen Markt definieren wir alle Dialysekliniken, die nicht von den größeren Dialysedienstleistungs-unternehmen wie Fresenius Medical Care oder DaVita betrieben werden. Im Jahr 2011 war China nach den USA unser zweitgrößter Absatzmarkt für neu verkaufte Hämodialysegeräte. Wir haben mehr als 6.030 Geräte verkauft. Mittlerweile stammt mit mehr als 49 % schon fast die Hälfte der Geräte, die in China eingesetzt werden, von Fresenius Medical Care.

Der Markt für Infusions- und Ernährungstherapien, I.V.-Arzneimittel und medizintechnische Produkte

Im Markt für Infusionstherapien und klinische Ernährung gewinnen angesichts des allgemeinen Kostendrucks in Mittel- und Westeuropa solche Therapien an Bedeutung, die eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bieten und gleichzeitig ökonomisch vorteilhaft sind. Studien belegen, dass durch die Gabe von Nahrungssupplementen bei krankheits- und altersbedingter Mangelernährung Krankenhauskosten in Höhe von durchschnittlich 1.000 € pro Patient eingespart werden können – durch kürzere Liegezeiten und geringeren Pflegebedarf. Mindestens 25 % aller Patienten in Europa sind bei der Aufnahme in das Krankenhaus mangelernährt oder haben ein erhöhtes Risiko, eine Mangelernährung zu entwickeln. Wesentlich höhere Zahlen um 50 bis 60 % werden für Pflegebedürftige, besonders im Seniorenalter, angegeben. Die Kosten, die durch krankheitsbedingte Mangelernährung verursacht werden, liegen europaweit bei 170 Mrd € jährlich.

Das Wachstum des Marktes für Infusionstherapien und klinische Ernährung liegt in Mittel- und Westeuropa insgesamt im unteren einstelligen Prozentbereich. Die Wachstumsregionen Asien-Pazifik, Lateinamerika und Osteuropa verzeichnen Raten im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich.

Fresenius Kabi geht nach eigenen Erhebungen davon aus, dass sich das für sie relevante Marktvolumen für Infusionstherapien und klinische Ernährung (ohne USA und Japan) in einer Größenordnung von rund 9 Mrd € bewegt.

Wir erwarten, dass die Nachfrage nach generischen Arzneimitteln weiter steigen wird. Generische Arzneimittel sind aufgrund ihres deutlich geringeren Preises unter gesundheitsökonomischen Aspekten vorteilhafter als Originalpräparate und liefern schon heute einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der Gesundheitsversorgung. Aus heutiger Sicht richten sich die Bestrebungen zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen nach unserer Einschätzung verstärkt auf die Preisbildung für patentgeschützte Arzneimittel sowie auf verschreibungspflichtige Arzneimittel im Apothekenmarkt.

Der Markt für generische I.V.-Arzneimittel ist grundsätzlich charakterisiert durch ein moderates Volumenwachstum, stetigen Preisrückgang und starken Wettbewerb. Zuwächse werden im Wesentlichen durch neue generische Produkte erzielt, die nach Ablauf des Patentschutzes des Originalpräparats in den Markt kommen. Das Wachstum des Marktes für generische I.V.-Arzneimittel bewegt sich in Europa und in den USA im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wir erwarten, dass der Markt für I.V.-Arzneimittel, die zwischen den Jahren 2012 und 2022 in den USA ihren Patentschutz verlieren, kumuliert rund 20 Mrd US$ betragen wird. Diese Werte basieren auf den Umsätzen der Originalpräparate im Jahr 2010 und enthalten nicht die für Generika üblichen Preisabschläge. Wir sehen daher für generische Arzneimittel noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Nach eigenen Erhebungen geht Fresenius Kabi davon aus, dass sich das für sie relevante Marktvolumen für intravenös zu verabreichende generische Arzneimittel (ohne Japan) in einer Größenordnung von rund 15 Mrd € bewegt.

Der Markt für medizintechnische Produkte für die Infusionstherapie, I.V.-Arzneimittel und klinischen Ernährung wächst in Europa im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wachstumstreiber sind hier insbesondere technologische Innovationen, die die Sicherheit der Anwendung und die Effizienz der Therapie erhöhen.


Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. 2009; IMS; eigene Erhebung, Marktdaten beziehen sich auf die für Fresenius Kabi relevanten, adressierbaren Märkte. Sie unterliegen zudem jährlichen Schwankungen, u. a. aufgrund von Veränderungen der Währungsrelationen und Patent abläufen der Originalpräparate im Markt der I.V.-Arzneimittel; Statistisches Bundesamt

Der deutsche Krankenhausmarkt

Im Jahr 2010 betrug das Gesamtvolumen der Krankenhausleistungen (ohne Forschung und Lehre) in Deutschland rund 77 Mrd € und damit etwa ein Viertel aller Gesamtausgaben im Gesundheitswesen. Rund 61 % der Krankenhauskosten sind Personalaufwendungen, 39 % sind Sachkosten. Die Personal- und Sachkosten erhöhten sich jeweils um 3,6 % gegenüber dem Vorjahr.

  2010 2009 2008 2007 2006 Veränderung 2010/2009
1 Nach Bruttogesamtkosten
Quelle: Statistisches Bundesamt
Krankenhäuser 2.064 2.084 2.083 2.087 2.104 - 1,0 %
Betten 502.749 503.341 503.360 506.954 510.767 - 0,1 %
Betten je 1.000 Einwohner 6,15 6,15 6,13 6,16 6,20 0 %
Verweildauer (Tage) 7,9 8,0 8,1 8,3 8,5 - 1,3 %
Fälle (Mio) 18,03 17,82 17,52 17,18 16,83 1,2 %
Ø Kosten je Fall in €1 4.432 4.327 4.146 4.028 3.932 2,4 %

  2010 2009 2008 2007 2006 Veränderung 2010/2009
1 Nach Bruttogesamtkosten
Quelle: Statistisches Bundesamt
Krankenhäuser 2.064 2.084 2.083 2.087 2.104 - 1,0 %
Betten 502.749 503.341 503.360 506.954 510.767 - 0,1 %
Betten je 1.000 Einwohner 6,15 6,15 6,13 6,16 6,20 0 %
Verweildauer (Tage) 7,9 8,0 8,1 8,3 8,5 - 1,3 %
Fälle (Mio) 18,03 17,82 17,52 17,18 16,83 1,2 %
Ø Kosten je Fall in €1 4.432 4.327 4.146 4.028 3.932 2,4 %

Die Anzahl der Krankenhäuser belief sich im Jahr 2010 auf 2.064 (2009: 2.084). Die Zahl der Betten verzeichnete einen geringfügigen Rückgang auf 502.749 (2009: 503.341). In den letzten fünf Jahren betrug der Bettenrückgang durchschnittlich 0,4 %. Dennoch liegt Deutschland mit 6,15 Betten je 1.000 Einwohner noch weit über dem OECD-Durchschnitt von 3,5 (2009). Im Jahr 2010 hat bundesweit die Verweildauer eines Patienten in einer Akutklinik leicht abgenommen und lag bei 7,9 Tagen (2009: 8,0 Tage).

Die Anzahl der Fälle ist hingegen gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist der demografische Wandel mit einer immer älter werdenden Bevölkerung. Im Jahr 2010 erhöhte sich die Fallzahl gegenüber dem Jahr 2009 um rund 216.000 Fälle bzw. 1,2 % und stieg erstmals auf mehr als 18 Millionen. Pro 1.000 Einwohner entspricht das 221 Fällen (2009: 218 Fälle). Andere Länder liegen deutlich unter diesem Wert. In den Jahren 2006 bis 2010 ist die Fallzahl in Deutschland um durchschnittlich 1,7 % p. a. gestiegen. Die durchschnittlichen Kosten je Fall haben sich bis 2010 um 3,0 % im Fünfjahresdurchschnitt erhöht.

Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland ist weiterhin angespannt. Dies ergab eine Umfrage des Deutschen Krankenhaus Instituts. Nur 48,8 % der Einrichtungen erwarten für das Geschäftsjahr 2011 einen Jahresüberschuss (2010: 56 %), 20,6 % einen Jahresfehlbetrag (2010: 16 %) und 30,6 % ein ausgeglichenes Ergebnis (2010: 28 %). Rund 41 % der befragten Krankenhäuser beurteilen ihre wirtschaftliche Lage als eher gut, 18 % sehen sie eher unbefriedigend. Die verbleibenden 41 % bewerten die Lage als gemischt. Damit hat sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage im Vergleich zum Vorjahr noch verschlechtert.

Die vielfach schwierige wirtschaftliche und finanzielle Situation der Kliniken geht einher mit einem enormen Investitionsbedarf. Dieser ist größtenteils auf einen Investitionsstau zurückzuführen, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich anstieg, da die Bundesländer ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Finanzierung notwendiger Investitionen und größerer Instandhaltungsmaßnahmen nicht ausreichend nachkommen konnten. Gleichzeitig steigern medizinischer und technologischer Fortschritt, erhöhte Qualitätsanforderungen und notwendige Modernisierungen den Bedarf an Investitionen. Das RWI schätzt den Investitionsstau in deutschen Kliniken auf rund 14 Mrd €.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich der Privatisierungstrend im deutschen Krankenhausmarkt im Jahr 2010 fortgesetzt, wenn auch verhalten: Die privaten Betreiber konnten ihren Anteil auf 16,9 % (2009: 16,6 %) erhöhen. Mit 48,6 % lag der größte Anteil der Krankenhausbetten jedoch weiterhin in der öffentlichen Hand (2009: 48,7 %), wie die Grafik zeigt.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Im Jahr 2011 gab es jedoch wieder einen Anstieg bei Privatisierungen von Krankenhäusern: Nach unseren Erhebungen lag das Umsatzvolumen aus Krankenhaustransaktionen im Jahr 2011 bei ca. 850 Mio € und damit deutlich über dem Vorjahreswert (2010: 230 Mio €).

Qualität wird immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Krankenhausmarkt. Die Bedeutung von Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen steigt bei Patienten und ihren betreuenden Ärzten kontinuierlich.

Der Rehabilitationsklinikmarkt in Deutschland lag mit insgesamt 1.237 Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen im Jahr 2010 etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Bettenzahl betrug 171.724 (2009: 171.489). Private Träger betrieben 56,1 % aller Einrichtungen (2009: 55,8 %). Freigemeinnützige Träger unterhielten 25,9 % (2009: 26,1 %), der Anteil der Einrichtungen der öffentlichen Hand lag bei 17,9 % (2009: 18,1 %). In privaten Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen befanden sich 67,0 % (2009: 66,8 %) aller aufgestellten Betten. Die Anzahl der Betten freigemeinnütziger und öffentlicher Träger lag bei 15,8 % (2009: 16,0 %) bzw. 17,2 % (2009: 17,3 %). Die bundesweite Fallzahl sank um rund 30.800 Fälle auf 1,97 Millionen. Die Verweildauer reduzierte sich auf 25,4 Tage (2009: 25,5 Tage).


Quellen: Statistisches Bundesamt; Deutsches Krankenhaus Institut, Krankenhaus Barometer 2011; OECD-Gesundheitsdaten 2011; RWI, Krankenhaus Rating Report 2011

Der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen

Der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen ist sehr landesspezifisch und in starkem Maße abhängig von Faktoren wie der staatlichen Gesundheitspolitik, dem Grad der Regulierung und Privatisierung sowie wirtschaftlichen und demografischen Gegebenheiten.

In etablierten Gesundheitsmärkten mit zunehmendem Kostendruck stehen Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen vor allem vor der Herausforderung, ihre Effizienz zu steigern. Hier sind insbesondere nachhaltige Planung und energieeffiziente Errichtung, optimierte Betriebsabläufe in den Gesundheitseinrichtungen sowie die Übernahme medizintechnischer Dienstleistungen durch externe Spezialisten gefragt. Dies ermöglicht es den Krankenhäusern, sich auf ihre Kernkompetenz, der Behandlung von Patienten, zu konzentrieren. In den aufstrebenden Märkten hingegen gilt es, die Infrastruktur aufzubauen und weiterzuentwickeln sowie die medizinische Versorgung zu verbessern.

Quellen: OECD-Gesundheitsdaten 2011; Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, Gesundheitsreform in den USA, Juni 2010

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