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Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist nicht überwunden: Die Entwicklung der Weltwirtschaft im Jahr 2012 bleibt risikobehaftet. Viele Industrienationen leiden unter einer hohen Arbeitslosigkeit, einer schwachen Vermögenspreisentwicklung und einer ausgeweiteten Verschuldung der privaten Haushalte, die den privaten Konsum dämpft. Die wirtschaftliche Dynamik wird insofern von der Schulden- und Bankenkrise und der erfolgreichen Umsetzung der Konsolidierungspläne bestimmt werden. Eine nach wie vor sehr expansiv ausgerichtete Geldpolitik dürfte hingegen weiter stabilisierend wirken. Für die Schwellenländer bleibt der Ausblick positiv, insbesondere die Länder Asiens dürften weiterhin stützende Impulse für die Weltwirtschaft geben. Vor diesem Hintergrund wird erwartet, dass sich im Jahr 2012 das globale BIP um 3,3 % erhöhen sollte.

EUROPA

Experten erwarten für das Jahr 2012 eine konjunkturelle Abkühlung im Euro-Raum mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Ländern. Bestenfalls wird mit einer Stagnation gerechnet; vorsichtigere Prognosen beziffern einen Rückgang des BIP in Höhe von -0,5 %.

Die Kernländer wie Frankreich, Deutschland und die Benelux-Staaten werden sich voraussichtlich positiv von den Peripheriestaaten wie Spanien, Portugal und Italien abheben, da hier die fiskalischen Probleme und die Schwierigkeiten am Arbeits- und Immobilienmarkt weniger stark ausgeprägt sind.

In den Peripherieländern werden die massiven Konsolidierungs- und Refinanzierungserfordernisse insbesondere in Spanien und Italien das Wirtschaftswachstum weiter bremsen. In Griechenland und Portugal wird die Rezession anhalten. Die rückläufige Nachfrage aus diesen Ländern wird sich auch negativ auf die Exportwirtschaft der Kernländer auswirken.

Für Deutschland geht man von einer Abschwächung im Zuge eines sich eintrübenden weltwirtschaftlichen Umfelds aus, die zu einer Stagnation des Wachstums im Jahr 2012 führen kann. Von der inländischen Nachfrage werden positive, vom Außenbeitrag aller Voraussicht nach jedoch negative Impulse erwartet.

Umfangreiche Schritte zur Eindämmung der Schuldenkrise wurden Ende des Jahres 2011 im Euro-Raum verabschiedet. Mit einem Kredithebel zur Volumenerhöhung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) soll eine höhere Wirksamkeit erreicht werden, insbesondere im Hinblick auf eine möglicherweise erforderliche Unterstützung von Italien und Spanien. Für Griechenland wird ein deutlich höherer Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger erwartet, der den Finanzbedarf begrenzen und die Rückkehr des Landes an den Kapitalmarkt bis zum Jahr 2020 ermöglichen soll.

USA

Die Konjunktur in den USA wird sich im Jahr 2012 voraussichtlich etwas beleben. Angesichts der nur geringfügigen Erholung des Arbeitsmarktes sowie der noch immer hohen Verschuldung der privaten Haushalte dürfte die Konsumnachfrage gedämpft bleiben. Zudem bleibt eine rasche Erholung des Immobilienmarktes vermutlich vorerst aus, wenngleich jüngste Entwicklungen auf ein Ende des Preisverfalls hindeuten. Allerdings ist eine Ausweitung der Investitionstätigkeit zu erwarten aufgrund der unerwartet starken, produktivitätsgetriebenen Zunahme der Unternehmensgewinne im Vorjahr. Darüber hinaus sollte die expansiv ausgelegte Geldpolitik für positive Impulse sorgen. Da die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte erst ab dem Jahr 2013 spürbar werden dürfte, wird für das Jahr 2012 von einem BIP-Zuwachs in Höhe von 2,5 % ausgegangen.

ASIEN

Für die asiatischen Schwellenländer, speziell China und Indien, wird für das Jahr 2012 die kräftigste Konjunkturentwicklung erwartet mit einem BIP-Wachstum von insgesamt 6,9 % (Asien ohne Japan). Die private Nachfrage sollte weiterhin zunehmen. Jedoch könnten der Rückgang der Exporte und die nachlassende Konjunktur in den Industrieländern das Wachstum dämpfen.

Die Schwellenländer werden – wenn auch in verringertem Maße – abhängig bleiben von den Industrieländern, für die ein Großteil der Exporte bestimmt ist. Strukturelle Faktoren, wie der Aufholprozess gegenüber den Industrienationen, die junge und weiter wachsende Bevölkerung sowie eine verbesserte Infrastruktur, werden unverändert ein Wachstumsmotor für die Volkswirtschaften sein. Im Zuge des hohen Wachstums ist von steigender Inflation auszugehen.

Die wichtigsten Triebfedern in China dürften wie bisher die Export- und Investitionstätigkeit sein. Des Weiteren ist von einer wachsenden Binnennachfrage auszugehen, die jedoch die erwartete verhaltene Exportnachfrage angesichts der Konjunkturschwäche auf den wichtigsten Absatzmärkten nicht wird auffangen können. Die bereits Ende des Jahres 2011 vollzogene Kehrtwende hin zu einer Lockerung der Geldpolitik und die erhöhten staatlichen Sozialleistungen sollten einem verlangsamten Wachstum entgegenwirken. Weitere fiskalpolitische Impulse zur Ankurbelung des Konsums werden erwartet. Für das Jahr 2012 wird mit einem leicht rückläufigen Wachstum in Höhe von 8,3 % gerechnet.

In Indien wird die Konjunktur maßgeblich durch den privaten Konsum getragen. Die Wachstumsrate im Jahr 2012 könnte unverändert zum Vorjahr 7,3 % betragen. Dies setzt jedoch voraus, dass Indien die hohe Inflation drosseln kann.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Japan wird weiterhin belastet durch die starke japanische Währung und die weltweite Konjunkturschwäche. Der Aufbau der Krisengebiete nach dem Erdbeben und Nachholeffekte sollten sich hingegen positiv auswirken. Experten schätzen das BIP-Wachstum im Jahr 2012 auf 0,7 %.

LATEINAMERIKA

Für Lateinamerika wird ein leicht abgeschwächtes, aber immer noch robustes Wachstum von 3,6 % im Jahr 2012 erwartet. Der Konjunktur der Rohstoffexporteure (z. B. Brasilien) wird etwas an Schwung genommen durch den leichten Rückgang der Rohstoffpreise. Dennoch wird die Wirtschaftsentwicklung dieser Länder voraussichtlich stärker sein als der Durchschnitt dieser Region.

Für Brasilien ist zu erwarten, dass die Aussichten für Beschäftigung und Einkommen gut bleiben und sich somit positive Impulse für die Konsumnachfrage ergeben. Es wird ein Zuwachs des BIP von 3,2 % prognostiziert.

Das BIP-Wachstum in Argentinien im Jahr 2012 sollte sich deutlich auf 2,9 % verringern: Von der Politik werden kaum Wachstumsimpulse erwartet, zudem belasten die anhaltende Kapitalflucht und die hohe Inflation.

Angesichts der nach wie vor starken Abhängigkeit von der US-Wirtschaft wird für Mexiko ein Wachstum von 3,3 % antizipiert.


Quelle: Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2011/2012, Banken-Research

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