Altersvorsorge
Generationenvertrag nicht mehr tragfähig
Die deutsche Sozialversicherung ist im Umbruch. Das historisch gewachsene umlagenfinanzierte Sozialversicherungssystem – der so genannte Generationenvertrag – ist nicht mehr ausreichend leistungsfähig, wenn immer weniger Beitragszahler für immer mehr Ruheständler aufkommen müssen. Die steigende Lebenserwartung der Menschen, die sinkende Geburtenrate und die veränderten Erwerbsbiografien haben die Grenzen der Leistungsfähigkeit des Generationenvertrags augenfällig werden lassen. Folglich musste der Gesetzgeber tätig werden. Das Sozialversicherungssystem wurde reformiert und im Zuge dessen die Eigenverantwortung der Menschen für ihre Altersvorsorge stärker in den Vordergrund gerückt. Die neue Altersvorsorgewelt in Deutschland basiert auf drei Schichten:
Drei-Schichten-Modell der Altersvorsorge in Deutschland
- Schicht 1: Basisvorsorge, diese beinhaltet die gesetzliche Rente und staatlich geförderte Renten wie die Rürup-Rente
- Schicht 2: Private Zusatzvorsorge wie die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge
- Schicht 3: Vorsorgeprodukte wie beispielsweise Kapitallebensversicherungen und private Rentenversicherungen
Riester-Rente erfolgreich
Die größte Akzeptanz unter den neuen Angeboten der staatlich begünstigten privaten Zusatzvorsorge konnte die Riester-Rente für sich verbuchen. Seit im vergangenen Jahr die letzte Förderstufe des Riesterkonzepts in Kraft getreten ist, hat sich die Grundzulage für Riesterverträge von 114 € auf 154 € erhöht. Zudem ist die Kinderzulage in 2008 auf 185 € gestiegen, und es konnte im Rahmen der Steuererklärung ein Sonderausgabenabzug von bis zu 2.100 € geltend gemacht werden. Damit stellt das Riestersparen im Rahmen der privaten Altersvorsorge grundsätzlich für viele Deutsche ein interessantes Angebot dar. Bei der Auswahl der gewünschten Sparform haben die Bürger die Wahl zwischen zertifizierten Spar- und Fondssparplänen sowie Rentenversicherungen.
Bis Ende des Jahres 2008 summierte sich die Zahl der abgeschlossenen Riesterverträge auf 12,2 Mio. 2008 waren die Neuabschlüsse von Riesterverträgen rückläufig. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Ursache dafür in einer gewissen Marktsättigung oder vorübergehend nur in der Verunsicherung der Bürger durch die Finanzmarktkrise zu suchen ist.
Wohn-Riester bringt Immobilienrente
Seit 2008 wird zudem indirekt auch selbst genutztes Wohneigentum gefördert. Über den in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres eingeführten so genannten „Wohn- Riester“ ist es möglich, sich die staatlichen Riesterzuschüsse für den Bau oder Kauf einer selbst genutzten Immobilie oder den Erwerb von Anteilen an einer Wohnungsgenossenschaft zu sichern.
Neuabschlüsse Riester-Renten-Verträge 2001-2008
Rürup-Rente wird nachziehen
Die Basis- bzw. Rürup-Rente hat sich noch immer nicht umfänglich bei den deutschen Anlegern durchgesetzt. Die 2005 eingeführte Rürup-Rente wurde vom Gesetzgeber in erster Linie für die Personengruppen entwickelt, die keine Möglichkeit haben, einen Riester-Vertrag abzuschließen oder die Riester-Förderung schon umfänglich ausgeschöpft haben. Dies sind Selbstständige und Freiberufler, die nicht vom gesetzlichen Rentenversicherungssystem erfasst werden. Aber auch für andere Berufsgruppen ist die Basis-Rente eine attraktive Sparform. So kann sie auch mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung kombiniert werden. Die Kombination führt dazu, dass auch der Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich geltend gemacht werden kann. Doch die Zielgruppe nimmt das Angebot nur zurückhaltend an. So wurden bis Jahresende 2008 nur rund 600.000 Rürup-Renten-Verträge abgeschlossen. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Nachfrage nach Rürup-Renten steigen wird, sobald der Markt der Riester-Verträge gesättigt ist. Die sukzessive steigende steuerliche Förderung der Basis-Rente ist ein weiterer Anreiz für eine zunehmende Nachfrage.
Sicherheit bevorzugt
Private Rentenversicherungen und Kapitallebensversicherungen sind gängige Vorsorgeinstrumente in Schicht 3 der Altersvorsorge. 2008 setzte sich dabei der Trend zur Rentenversicherung fort. Die überzeugenden Argumente für Produkte aus der dritten Schicht sind ihre Renditechancen und ihre Flexibilität.
Vielen Anlegern war es vor dem Hintergrund der Börsenturbulenzen im zweiten Halbjahr 2008 jedoch wichtiger, sichere statt bisher vorrangig auf Renditechancen ausgelegte Anlageformen abzuschließen. Bei den unter den Altersvorsorgeangeboten besonders beliebten, an den Kapitalmarkt gekoppelten Hybridkonstruktionen äußerte sich die zunehmende Sicherheitspräferenz der Anleger in einer verstärkten Nachfrage nach Produktvarianten, die Garantien hinsichtlich der Ablaufleistung bieten. Insgesamt meldete der Verband der Versicherungswirtschaft für das Jahr 2008 den Abschluss von rund 7 Mio. neuen Lebensversicherungen und ein leichtes Beitragswachstum.
Betriebliche Altersvorsorge: Im Mittelstand immer beliebter
Die betriebliche Altersvorsorge hat sich im vergangenen Jahr weiter gut entwickelt. Mehr als 18 Mio. Beschäftigte in Deutschland besitzen mittlerweile eine Betriebsrentenanwartschaft. Dem „Rentenversicherungsbericht 2008“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zufolge hatten Ende 2007 rund 64 % der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer eine betriebliche Zusatzversorgung – mit weiter steigender Tendenz. Waren es bisher vor allem große Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge eröffnet haben, so entdeckten im Jahr 2008 auch weite Teile des Mittelstands das Instrument der betrieblichen Altersvorsorge für sich. Nachfragestärkend wirkt sich der gesetzliche Anspruch der Arbeitnehmer auf Entgeltumwandlung aus. Dies bedeutet, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, ihren Mitarbeitern zumindest eine Gehaltsumwandlung zu ermöglichen, wenn diese an der betrieblichen Altersvorsorge Interesse haben.
Klare Vorteile für jeden
Neben der staatlichen Förderung spricht für die betriebliche Altersvorsorge, dass die Produktanbieter über den Abschluss von Rahmenvereinbarungen mit den Arbeitgebern günstige Konditionen offerieren können. Damit ist die betriebliche Altersvorsorge für jeden interessant. In Deutschland sind fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge möglich: Direktzusagen, Unterstützungskassen, Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds. Nicht jeder Durchführungsweg ist für jedes Unternehmen gleich gut geeignet. Als Experte in allen Fragen der betrieblichen Altersversorgung findet MLP die Lösung, die den Anforderungen und Interessen aller Beteiligten gerecht wird.
Gesamtaussage: Bereitschaft zu Altersvorsorgesparen gegeben
Insgesamt erscheint uns wichtig, dass in der Bevölkerung heute – insbesondere in der jüngeren Generation – eine klare Akzeptanz der privaten und betrieblichen Altersvorsorge gegeben ist. Wie im „Vermögensbarometer 2008“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes ermittelt wurde, ist die große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland zu mehr Eigeninitiative in der Altersvorsorge bereit. 84 % der 30- bis 39-Jährigen und 83 % der unter 30-Jährigen finden es wichtig, selbst für das Alter zu sparen. Dies wirkt sich grundsätzlich mittel- und langfristig günstig auf unser Beratungsangebot im Leistungsbereich Altersvorsorge aus.
Allerdings gibt es noch immer eine Diskrepanz zwischen der grundsätzlichen Einsicht und der konkreten Handlung: Viele Menschen verschieben ihre Altersvorsorge gerne auf morgen. So mancher wähnt sich sicher, später mit dem Vorsorgesparen für das Alter beginnen zu können, und verschiebt das Thema auf die Zukunft. Dabei wird verkannt, dass es durch den Zinseszins-Effekt unbedingt wichtig ist, früh mit dem Alterssparen zu beginnen, dass der Finanzbedarf im Alter tendenziell höher ist, als gemeinhin erwartet, und die Lebensdauer der Menschen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat.
Diese Diskrepanz zwischen Bedarf und Nachfrage spiegelte sich auch in unserer Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Jahr wider. Zusammen mit den negativen Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Nachfrage nach langfristigen Altersvorsorgekonzepten führte dies zu einer eher verhaltenen Geschäftsentwicklung im Bereich der Altersvorsorge. Die Gesamterlöse in diesem Bereich lagen mit 346,4 Mio. € unter dem Vorjahr. Dies entspricht 62 % unserer Umsatzerlöse und macht die Bedeutung des Bereiches für die Gesamtentwicklung von MLP deutlich.
