Gesundheitsvorsorge
Warten auf den Gesundheitsfonds
Das Jahr 2008 war ein Übergangsjahr in Bezug auf das deutsche Gesundheitswesen. Breite Bevölkerungsschichten haben sich weitgehend damit abgefunden, dass das Krankenversorgungssystem in Deutschland stetig teurer, aber nicht leistungsfähiger wird. So gaben sechs von zehn Bundesbürgern im Rahmen des MLP-Gesundheitsreports 2008 an, die Gesundheitsvorsorge in Deutschland sei schlechter geworden. Und 57 % der im Rahmen der gleichen repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach befragten Ärzte bestätigten diesen Eindruck der Bürger. Dennoch widmeten die Medien dem Themenbereich Gesundheit im Jahr 2008 nur noch mäßige Aufmerksamkeit. Die Republik wartete auf das Inkrafttreten des Gesundheitsfonds zum 1. Januar 2009, der einen einheitlichen Krankenkassenbeitrag für alle gesetzlichen Krankenkassen einführt. Gesetzlich Versicherte, die in den vergangenen Jahren noch nicht zu einer preisgünstigen gesetzlichen Kasse gewechselt waren, harrten 2008 weiter aus und warteten auf den Gesundheitsfonds.
Die Qualität der Gesundheitsvorsorge hat sich in den letzten zwei, drei Jahren...
Hürden zur privaten Krankenversicherung höher gezogen
Die privaten Krankenversicherungen verzeichneten zum 30. Juni 2008 einen Bestand von 8,57 Mio. Versicherten. Während im ersten Halbjahr 2007 noch 37.700 Menschen in die private Krankenversicherung gewechselt waren, haben sich im ersten Halbjahr 2008 nur 23.400 Personen zu diesem Schritt entschlossen. Ein Grund hierfür ist sicherlich in der seit Februar 2007 erhöhten Einkommenshürde für Wechselwillige zu suchen. Denn nach den neuen Bestimmungen können Arbeitnehmer erst dann in eine private Krankenversicherung eintreten, wenn ihr Einkommen drei Kalenderjahre in Folge über der Versicherungspflichtgrenze gelegen hat. Dies stellt eine hohe Hürde für wechselwillige Menschen dar; zumal die Versicherungspflichtgrenze auch noch von Jahr zu Jahr steigt: Sie lag im vergangenen Jahr bei 48.150 € und erreicht im Jahr 2009 bereits 48.600 €; im Jahr 2010 wird sie bei 49.050 € liegen.
Private Zusatzversicherungen stark nachgefragt
Ungebrochenen Zulauf verzeichneten die privaten Zusatzversicherungen. Die Zahl der Zusatzversicherungen stieg 2008 erstmals auf rund 21 Mio. Insgesamt erwartet die Versicherungswirtschaft im Bereich der privaten Krankenversicherung für 2008 Beitragseinnahmen in Höhe von 30,3 Mrd. €.
Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Leistungseinschränkungen bei den gesetzlichen Krankenkassen legten wir in der Beratung des vergangenen Jahres besonderen Wert darauf, unsere Kunden über Optionstarife zu informieren. Denn mit Optionstarifen lässt sich ein späterer Eintritt in eine private Krankenversicherung sichern, ohne dabei befürchten zu müssen, später höhere Kosten wegen eines dann eventuell schlechteren Gesundheitsbildes zu haben. Das Angebot stieß auf großes Interesse. Wir haben im Jahr 2008 vor allem Optionstarife für einen späteren Eintritt in die private Krankenversicherung, stationäre Zusatz-, Zahnzusatz- und Pflegezusatztarife vermittelt. Dies dürfte auch dem Absatztrend in der Branche entsprechen.
Gesamtaussage: Gesetzliches Umfeld bremst Gesundheitsvorsorgegeschäft
Dass die gesetzlichen Krankenkassen am Rande ihrer Leistungsfähigkeit stehen und daher die Kassenleistungen in Zukunft bei steigenden Beiträgen weiter reduziert werden müssen, steht heute für die meisten Deutschen außer Frage. Deshalb ist die Bereitschaft zum Wechsel in eine private Krankenversicherung grundsätzlich vorhanden. Jedoch erschwert das gesetzliche Umfeld die kurzfristige Vermittlung von neuen privaten Krankenversicherungsverträgen. Wechselwillige müssen jetzt drei Jahre in Folge das gesetzliche Mindesteinkommen für den Wechsel zu einem privaten Anbieter nachweisen. Hierdurch tritt eine Zeitverzögerung für den geplanten Wechsel auf. Entsprechend reduziert stellt sich das Neugeschäft im Bereich der Krankenversicherung des Jahres 2008 dar.
