Aussichten für das laufende Geschäftsjahr/Prognose
Zukünftige gesamtwirtschaftliche Situation
Nachdem sich die konjunkturelle Talfahrt in Deutschland – dem für MLP relevanten Kernmarkt – im zweiten Quartal 2009 deutlich verlangsamt hat, rechnen Experten damit, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert. Weltweit haben sich wichtige Stimmungsindikatoren verbessert. Für die deutsche Wirtschaft ist beispielsweise der ifo-Geschäftsklimaindex für die Erwartungen zur wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten 6 Monaten von seinem Tiefststand von 77,0 Punkten im Dezember 2008 auf 90,4 Punkte Ende Juni 2009 angestiegen. Allerdings führt dies nicht dazu, dass sich die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven für das Gesamtjahr verändern. Weiterhin geht die Bundesregierung von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland von 6 % aus. Für 2010 liegen die Erwartungen ebenfalls unverändert bei einem geringen Wachstum von 0,5 %.
Erwartetes Wirtschaftswachstum in Deutschland
Die einkommensstützenden Maßnahmen der Konjunkturpakete – wie beispielsweise Einkommensteuersenkungen und zusätzlichen Sozialausgaben – werden auch in Deutschland die verfügbaren Einkommen erhöhen und dem privaten Konsum in den kommenden Monaten weitere Impulse geben. Die Bundesregierung rechnet weiterhin mit stabilen Verbraucherpreisen, im ersten Halbjahr waren vor allem die Preise für Energieprodukte und für Nahrungsmittel günstiger als noch im Vorjahr.
Nach und nach wird jedoch die sich verschlechternde Lage am Arbeitsmarkt spürbar werden und den Konsum deutlich belasten. Trotz der bislang vergleichsweise moderaten Auswirkung auf die Stellensituation bleibt die Grundtendenz der Zunahme der Arbeitslosigkeit und des Rückgangs der Beschäftigung angesichts der schwachen Konjunktur ungebrochen. So prognostiziert die OECD für Deutschland ein Ansteigen der Arbeitslosenquote auf nahezu 12 % bis zum Ende des Jahres 2010.
Für MLP bleibt die gesamtwirtschaftliche Situation weiter schwierig. Zwar sollten die Preisentwicklung und die Maßnahmen der Konjunkturpakete die verfügbaren Einkommen der Kunden erhöhen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob diese positiven Faktoren nach der Bundestagswahl im September nicht durch Erhöhungen der Steuern oder Abgaben zur Finanzierung des Haushaltsdefizits konterkariert werden. Zudem verunsichert die Sorge um den Arbeitsplatz oder die Höhe des Einkommens die Kunden und lässt sie bei langfristigen Vorsorge- oder Vermögensmanagemententscheidungen weiterhin zurückhaltend agieren.
Zukünftige Branchensituation
Für die Märkte Altersvorsorge und Vermögensmanagement wird die Finanz- und Wirtschaftskrise kurz- und mittelfristig der bestimmende Faktor für die weitere Entwicklung bleiben. Die gesamte Finanzvermittlerbranche leidet aufgrund der Auswirkungen der Rezession unter der Zurückhaltung der Kunden, langfristig in Altersvorsorge- oder Vermögensmanagementkonzepte zu investieren. Wir gehen davon aus, dass sich ohne eine nachhaltige wirtschaftliche Belebung diese Situation auch nicht verändern wird.
Da Ende September 2009 Bundestagswahlen anstehen, erwarten wir kurzfristig keine weiteren regulatorischen Änderungen für unsere Kernmärkte Alters- und Gesundheitsvorsorge und Vermögensmanagement. Allerdings gehen wir davon aus, dass nach der Bundestagswahl sehr rasch weitere Änderungen im Gesundheitssystem angestoßen werden. Weitere Reformen sind hier dringend notwendig, da die demografische Entwicklung und der medizinisch-technische Fortschritt die Kosten weiter erhöhen werden und damit eine Finanzierbarkeit des derzeitigen Systems nicht mehr gegeben sein wird. Da die Lösungsvorschläge der Parteien sehr unterschiedlich sind, bleibt der Ausgang der Wahl abzuwarten.
Bevölkerung erwartet weitere Einschränkungen und zunehmende Kosten im deutschen Gesundheitssystem
Auch die derzeitige durch die Finanzkrise ausgelöste Diskussion über die Qualität der Finanzberatung in Deutschland wird nach der Bundestagswahl auf der politischen Agenda bleiben und nach unserer Einschätzung zu weiteren regulatorischen Änderungen führen. MLP setzt sich seit vielen Jahren für einen höheren und einheitlichen Qualifikationsstandard in der deutschen Finanzberatung ein. Wir verfolgen einen unabhängigen und ganzheitlichen Beratungsansatz, der den individuellen Bedarf des Kunden in den Mittelpunkt stellt. Viele der sich im Augenblick in der Diskussion befindenden Verbesserungsvorschläge sind bei MLP bereits gelebte Praxis. Wir stehen einer weiteren Initiative zur Verbesserung der Kundenberatung im gesamten Markt deshalb grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings bleibt auch hier abzuwarten, mit welchen konkreten Maßnahmen die neue Regierung eine bessere Beratung der Kunden in Finanzangelegenheiten erreichen will.
Im Laufe des verbleibenden Geschäftsjahres und darüber hinaus erwarten wir für den Finanzvermittlermarkt in Deutschland eine weiter zunehmende Konzentration. Die Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren und die Auswirkungen der Rezession machen es für kleinere und mittlere Marktteilnehmer zunehmend schwerer, profitabel zu wirtschaften.
Voraussichtliche Geschäftsentwicklung
Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise werden auch in absehbarer Zukunft die bestimmenden Faktoren für unsere Geschäftsentwicklung sein. Die konjunkturelle Situation hat sich zwar nach der rasanten Talfahrt im ersten Quartal im Laufe des zweiten Quartals stabilisiert. Allerdings ist eine konjunkturelle Erholung nicht in Sicht. Nach wie vor gehen Experten davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im laufenden Jahr um 6 % zurückgeht. Da ein solcher Rückgang in den letzten 80 Jahren beispiellos ist, ist auch nach dem Ende des zweiten Quartals eine seriöse Prognose der Auswirkungen der Krise auf das Nachfrage- und Anlageverhalten der Kunden nicht möglich. Wir sehen deshalb weiterhin von einer konkreten Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr ab. Um die Profitabilität des Unternehmens zu schützen, haben wir ein Kostensenkungsprogramm initiiert. Wir haben dabei Maßnahmen eingeleitet, um bis zum Ende des Jahres 2010 unsere Fixkostenbasis um 34 Mio. € zu senken (ohne akquisitionsbedingte Kostensteigerungen). Die Kostenbasis soll im Geschäftsjahr 2009 um 12 Mio. € sinken; für das Geschäftsjahr 2010 sind zusätzliche Einsparungen von 10 Mio. € geplant. In 2009 entfallen zudem Einmalausgaben von 12 Mio. €. Im zweiten Quartal 2009 konnten wir die Fixkosten bereits um 14% auf 65,8 Mio. € senken. Damit liegen wir mit unserem Kostensenkungsprogramm sehr gut im Plan.
Geplante Senkung der Fixkostenbasis um 34 Mio. € bis Ende 2010
Ein entscheidender Faktor, um aus der andauernden Konjunkturkrise gestärkt hervorgehen zu können, ist unsere Finanzkraft. Sowohl unsere hervorragende Eigenkapitalausstattung als auch unsere sehr gute Liquidität stärken unsere Wettbewerbsposition.
In den kommenden Monaten besteht vor allem wegen der Einführung des Bürgerentlastungsgesetzes, das die Liquidität von privat und gesetzlich Krankenversicherten ab Januar 2010 deutlich erhöht, ein hoher Beratungs- und Informationsbedarf bei den Kunden. Wir rechnen mit einer schrittweisen Verbesserung der Geschäftsentwicklung im Jahresverlauf. Wie in unserem Geschäftsmodell üblich erwarten wir vor allem im vierten Quartal eine deutliche Belebung bei gleichzeitig weiter zurückgehenden Kosten.
Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise sehr schwierig. In diesem Umfeld möchte sich MLP weiterhin besser entwickeln als der Markt.
